07.04.2013 - 06:30

Quasimodogeniti BWV 67: „Halt im Gedächtnis Jesum Christ“

Johann Sebastian Bach hat die Kantate für den heutigen zweiten Sonntag der Osterzeit in seinem ersten Leipziger Jahr komponiert und am 16. April 1724 erstmals aufgeführt. „Halt im Gedächtnis Jesum Christ“: So der Titel der Kantate, in der Bach an das Evangelium des Sonntags anknüpft. Das Evangelium vom ungläubigen Thomas.

Bestimmt kennen Sie die Stelle im Johannesevangelium: Die Jünger sind versammelt, da auf einmal erscheint Jesus. Einer der Jünger, Thomas, aber ist nicht dabei. Und als ihm jetzt die anderen von diesem Ereignis erzählen, gibt er zur Antwort: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Auch wenn der unbekannte Textdichter nicht direkt diese Stelle wörtlich aufgreift, so wird doch spätestens ab dem zweiten Satz der Kantate der ungläubige Thomas zum Symbol des von Zweifeln bedrängten Christen. Doch: Beginnen wir mit dem ersten Satz, der sozusagen die Überschrift der Kantate bildet. In Anlehnung an den 2. Timotheus-Brief formuliert der Dichter: „Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der auferstanden ist von den Toten“.

Ebenso kunstvoll wie der erste Satz ist auch der zweite, die Arie des Tenor aufgebaut. Zunächst noch die Gewissheit, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, doch dann schon das Einbrechen der Zweifel: „Allein, was schreckt mich noch?“ heißt es im Text. Die Bedeutung der Frage wird durch das hörbare Heben der Stimme deutlich gemacht.

Trotz allem Glauben hat das Herz also keinen Frieden. Im dritten Satz spielt der Dichter auf den Propheten Hosea an, bei dem es heißt: „Vom Tode sollte ich sie erlösen? Tod, wo sind deine Seuchen?“ Der Dichter formuliert diese Stelle auf Jesus hin: Er ist des Todes Gift und eine Pestilenz der Hölle.Musikalisch gesehen ist dieser dritte Satz ein schlichtes Rezitativ, das auf den vierten Satz hinleitet. Und hier ist jetzt die 1. Strophe des Osterliedes von Nikolaus Hermann eingebaut: „Erschienen ist der herrlich Tag“. Von Bach als schlichter vierstimmiger Choralsatz vertont.

Auch der fünfte Satz ist wieder ein Rezitativ, welches auf den Höhepunkt der ganzen Kantate hinleitet: Auf den sechsten Satz. Dieser Satz ist von Bach als Arie bezeichnet, ist aber eigentlich ein mehrstrophiger Chorsatz, dessen Strophen durch das Basssolo „Friede sei mit Euch“ eingerahmt werden.  Der Satz beginnt mit einer Streichersinfonie, deren heftige Bewegung den Ansturm des Friedens abbildet.

Dann setzt ein Baß-Arioso zu ruhig-punktierter Holzbläserbegleitung ein. Dem dreimaligen Gesang der Worte „Friede sei mit euch“, folgt der Chor der drei übrigen Stimmen. So ist der sechste Satz ist zweigeteilt: Auf der einen Seite der angefochtene Mensch, auf der andere Seite Christus der Friedensbringer. Mit der 1. Strophe des Liedes „Du Friedefürst, Herr Jesu Christ“ von Jakob Ebert endet die Kantate mit einem einfachen Choralsatz.