29.03.2013 - 06:30

Karfreitag BWV 13: „Meine Seufzer, meine Tränen

„Meine Seufzer, meine Tränen“: Bach hat diese Kantate zwar nicht für den heutigen Karfreitag vorgesehen, da es ja in der Fastenzeit keine auskomponierte Kirchenmusik in den Leipziger Kirchen gab, aber: Die Kantate, BWV 13, passt sehr gut zum heutigen Tag.

Der Text stammt in weiten Teilen von Georg Christian Lehm, der sich das Schriftwort Jesu „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ zum Ausgangspunkt nimmt und daraus die Folgerung zieht: Auch wenn Gottes Hilfe im Augenblick noch nicht sichtbar ist, so darf ich doch darauf vertrauen, dass Gott mir Trost schicken wird.

Bachs Vertonung lässt erkennen, wie sich die Phantasie des Barockmusikers vornehmlich an denjenigen Textstellen entzündet, die von Seufzen und Schmerz handeln. Die Eingangsarie ist ein einziger Klagegesang:

Auch das anschließende Rezitativ, dringt an seinem Schluss mit der ausdrucksvollen Koloratur auf das Wort „flehen“ in chromatisch-ariose Bereiche vor.

Es folgt ein Choral, dessen Melodie auch heute noch in vielen Ausgaben des katholischen Gesang- und Gebetbuchs Gotteslob zu finden ist: Es ist die Melodie von „Der am Kreuz ist meine Liebe“. Die belebten Streicherfiguren in freudigem F- Dur drücken die Hoffnung auf den versprochenen Beistand Gittes aus, wenngleich der Text davon spricht, dass noch keine Hilfe erkennbar sei.

Ein schlichtes Rezitativ führt hin zur zweiten Arie des Werkes, dem fünften Satz. „Ächzen und erbärmlich weinen“ , so der Text gleich zu Beginn und Bach vertont auf besonders eindringliche Weise. Die übermäßige Sekunde und ihre Umkehrung, die verminderte Septime und dann auch noch die verminderte Quinte lassen das Ächzen und Stöhnen hörbar werden.

Eine freie Wiederholung des Anfangsteils beschließt die Arie. Zum Abschluss der Kantate folgt ein Chor in schlicht-vierstimmigem Satz.

Die Kantate entstammt dem dritten erhaltenen Jahrgang Bachs und wurde am 20. Januar 1726 zum ersten Mal aufgeführt. Von besonderem Reiz ist die Besetzung, da sie außer den sonst üblichen Streichern samt Continuo noch 2 Blockflöten sowie eine Oboe da caccia verlangt. Der Chor tritt nur im Schlusschoral hinzu, möglicherweise wurde aber dieser Chorsatz auch von vier Solisten gesungen.