28.04.2013 - 06:30

5. Sonntag der Osterzeit BWV 166: „Wo gehest du hin?“

Zum ersten Mal wurde die Kantate für den heutigen Sonntag am 7. Mai 1724 aufgeführt, also am 5. Sonntag der Osterzeit. Für Johann Sebastian Bach ist es das erste Jahr als Thomaskantor in Leipzig, „Wo gehest du hin“: Mit dieser Frage ist das Werk überschrieben.

Der unbekannte Dichter knüpft damit an das Evangelium des Sonntags an, ein Wort aus den sogenannten Abschiedsreden Jesu, das genau mit diesen Worten beginnt: „Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du?“

Bachs Komposition betont diesen Gedanken des Textdichters dadurch, dass er den Worte die Bassstimme zuweist, die ja als die Stimme Christi in der Musik gilt. So ist dieser Eingangssatz nicht nur Zitat aus dem Evangelium des Sonntags, sondern auch gleichzeitig Frage Jesus an seine Gemeinde.

In der folgenden Arie, dem zweiten Satz, bekommt diese Frage jetzt eine individuelle Deutung. Während der Eingangssatz nämlich noch als einfaches Bibelzitat verstanden werden kann, wird in der jetzt folgenden Arie die Frage nach dem Wohin nicht mehr Christus, sondern jedem einzelnen Christen gestellt: „Mensch, wo gehst du hin“? Im Mittelteil dieses Satzes malt Bach das „Gehen“ und „Stehen“, von dem im Text die Rede ist, musikalisch durch aufwärtsgerichtete Tonleiterfiguren bzw. durch lange Haltetöne aus.

Auch die folgenden Kantatensätze schließen sich diesem Gedanken an. So bittet der folgende Choral, die 3. Strophe des Liedes „Herr, Jesu Christ, ich weiß gar wohl“ von Bartholomäus Ringwaldt, um den rechten Glauben. Sopran, Violinen und Bratschen bewegen sich unisono, also einstimmig: Dadurch enthält der Satz etwas Strenges.

Wesentlich fröhlicher klingt das folgende Rezitativ und die nachfolgende Arie, und das, obwohl die Arie gerade vor der Freude der Welt warnen soll. Trotzdem ist die Arie richtig tänzerisch, das Lachen des Glücks wird richtig hörbar gemacht, zum Beispiel durch die langen Koloraturen und die Triller:

Umso eindrucksvoller wirkt nach dieser tänzerischen Aire die Feierlichkeit des Schlusschorals mit der „Bitte „Machs nur mit meinem Ende gut“, d.h. die Bitte an Gott um Beistand für das Ende des irdischen Lebensweges.

Bei diesem Choral handelt es sich um die Anfangsstrophe des Liedes „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende“ von Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt, die dieses Lied 1686 getextet hat.