Viktor Niedermayer
Viktor Niedermayer

22.03.2015 - 11:55

Viktor Niedermayer schreibt über seine bayrische Kindheit "Finsterland“ - Debütroman mit 88 Jahren

"Meine Geschichte ist auch eine Warnung, immer kritisch zu sein und immer wach zu sein“, sagt Viktor Niedermayer im domradio.de Interview. Mit 88 Jahren hat er jetzt seinen Debütroman geschrieben, eine Autobiografie über seine bayrische Kindheit im Nationalsozialismus.

"Bereits nach dem Krieg habe ich angefangen zu schreiben. Ich wollte die Schicksale meiner Freunde aufzeichnen, ich wollte ihnen ein Denkmal setzen, den Kindern, die in meinem Alter gestorben sind“, erzählt Viktor Niedermayer. Jahrzehnte später hat er seine Notizen gesichtet und überarbeitet. Sein Roman ist ein beeindruckendes Zeitzeugnis einer deutschen Kindheit im und nach dem Krieg.

Als neben dem Muttergottesbild auch ein Führerportrait im Schlafzimmer hängt, wird dem Jungen bewußt, dass etwas in Bewegung gerät. Aber in seinem bayrischen Heimatstädtchen wirkt es zunächst wie eine natürliche Ergänzung: zu den kirchlichen Umzügen gesellen sich die Braunhemden. Doch die neuen Zeiten werden zunehmend bedrohlich: "Es war fast eine Heldentat am Sonntag ins Hochamt zu gehen, wenn zwei Häuser weiter der Nazi-Kreisleiter die Leute mit dem Fernglas beobachtet hat“.

Im domradio Interview erzählt Viktor Niedermayer auch von der Kunst zu überleben – von der Bedeutung der Natur für sein Leben. Noch heute fährt der Weltenbummler, er lebte in Kanada und Südafrika, war acht Jahre Trekkingführer im Himalaya, fast jeden Morgen Ski, im Engadin, wo er wohnt: "Um acht Uhr bin ich schon oben auf 2000 Meter, dann kommt die Sonne von unten herauf, dann fängt der Schnee an zu glitzern in allen Farben, und ich bin einer der ersten da oben, und jetzt kann ich große Kurven fahren, und das Tal ist wie ein schwarzer Abgrund, wie das Weltall und Du bist da oben wie im Himmel, wie in der ewigen Seligkeit, das ist wie ein Gottesdienst“.