06.07.2012 - 07:50

Lucien Deprijck über Inselschicksale Vom Glauben in extremen Gefahrensituationen

Lucien Deprijck ist selbst noch nie gestrandet. Und doch: Geschichten über gestrandete Menschen faszinieren ihn seit seinem 13. Lebensjahr. Damals bekam er ein Buch von Jules Verne geschenkt, "Zwei Jahre Ferien" heißt das Buch. Darin wird die Geschichte von Jugendlichen erzählt, die auf einer Insel stranden.

Er habe den Abenteuerroman gleich zweimal gelesen, erzählt Deprijck, und seitdem alle Geschichten und Bücher verschlungen, die mit Inselschicksalen zu tun haben. Irgendwann fragte sich der Autor und Übersetzer englischer Literatur, ob man heute auch noch Geschichten über das Stranden schreiben kann.

In 18 Variationen erzählt Deprijck in seinem Buch: "Inseln, auf denen ich strande" von Menschen, die auf See verunglücken und sich auf einer Insel wieder finden. Dabei räumt der Autor mit dem Mythos der romantischen Inselschicksale gehörig auf. Verklärte Robinson-Abenteuer findet man in seinem Buch nicht. Gleich in der ersten Episode geht der Gestrandete auf einem kleinen Riff elend zu Grunde. Deprijck erzählt tragische Geschichten: ein Ehepaar verliert sich auf einer einsamen Insel, humorvolle Episoden: da strandet einer auf einem überfüllten Mallorca-Strand, schräge, verrückte, dramatische oder ernste Inselschicksale. Stranden ist für ihn auch immer eine Prüfung, eine existentielle Erfahrung, in der sich die Gestrandeten die Frage nach dem Sinn des Lebens und Gott stellen. In der letzten Episode schildet Deprijck das Schicksal eines Menschen, der auf einer Inselkette strandet. Mit unglaublicher Kraftanstrengung versucht er die jeweils nächste Insel zu erreichen, die ihm womöglich bessere Überlebenschancen bietet. In der größten Todesangst fühlt sich der Gestrandete doch "irgendwie behütet", sagt Deprijck: "In der extremen Gefahrensituation entdeckt er seinen Glauben neu. Er hat dabei immer das Gefühl, dass da irgendetwas ist, was ihn behütet, und er versucht das zu identifizieren und zu benennen".

Lucien Deprijck / "Die Inseln, auf denen ich strande" / mareverlag Hamburg / Illustrationen von Christian Schneider / 28 Euro