Karin Schüller über ihren Roman "Der Herbst des Goldenen Zeitalters“

Europa im Abgrund des Dreißigjährigen Krieges

"Die Werte des christlichen Abendlandes sind schützenswert", davon ist Karin Schüller überzeugt. Die Professorin für Geschichte an der Universität Köln hat einen Roman über das politisch und religiös zerrissene Europa des 17. Jahrhunderts geschrieben. "In der Zeit, über die ich schreibe, wurde für diese Werte gekämpft", sagt sie im domradio.de Interview.

 (DR)

In ihrem Buch "Der Herbst des Goldenen Zeitalters" erzählt Karin Schüller die Geschichte eines irischen Mönchs, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts zum Studium der Theologie nach Spanien aufbricht, weil Katholiken damals auf den britischen Inseln verfolgt wurden und ein Studium dort unmöglich war. In Spanien erlebt er, wie das Goldene spanische Zeitalter langsam zu Ende geht. Der Dreißigjährige Krieg erschüttert Europa. "Religiöse Intoleranz gab es nach der Reformation auf allen Seiten", sagt Schüller, "die Verfolgung der Protestanten ist in Zentraleuropa nachhaltiger aufgearbeitet worden. Dass auch Katholiken verfolgt waren, zum Beispiel auf den britischen Inseln, ist eher im Hintergrund geblieben".

Historische Parallelen: "Intoleranz in Europa ist wieder spürbar"

Karin Schüller nimmt in ihrem Roman einen Perspektivwechsel vor. Das 16. und 17. Jahrhundert werde häufig aus einer protestantischen Perspektive geschildert, sagt die Geschichtsprofessorin: "Aus meiner Kindheit erinnere ich zum Beispiel, dass in den Filmen die englischen Piraten um Francis Drake immer die Helden waren, während die katholischen Spanier eher als Deppen und sehr brutal dargestellt wurden". Intoleranz gegenüber der anderen Konfession und Religion gab es damals auf allen Seiten. Diese Intoleranz, die man heute eigentlich gar nicht mehr erwartet hätte, sei zurzeit in Europa wieder sehr stark spürbar, sagt Karin Schüller: "Wir sollten uns daran erinnern, dass der Toleranzgedanke erst im 18. Jahrhundert geboren worden ist. Wir sollten uns aber auch davor schützen, die Intoleranz ins Land zu holen", warnt Schüller.

Ein Roman - nicht nur für historisch interessierte Leser

Karin Schüller hat einen spannenden und unterhaltsamen Roman über die Kultur- und Geistesgeschichte Europas im 17. Jahrhundert geschrieben, in dem sie auch berühmte Zeitgenossen wie den Maler Don Diego de Velasquez portraitiert. Die Geschichtsprofessorin erzählt die Geschichte eines intellektuellen katholischen Mönchs, der sich durch die Wirren der Zeit kämpft, der sich verliebt, mit der Askese hadert und religiöse Intoleranz zu spüren bekommt – ein Buch nicht nur für historisch interessierte Leser.