09.12.2012 - 15:00

Karen Duve macht aus Märchenfiguren Menschen mit Macken "Grrrimm"

Bruder Lustig treibt Gott an den Rand des Nervenzusammenbruchs. "Bruder Lustig", so heißt ein Märchen der Gebrüder Grimm, ein merkwürdiges Märchen, das vom Stolz aber auch von der Verstocktheit eines bockigen Menschen erzählt. Bruder Lustig ist aber auch ein Pfiffikus, der sich am Ende in einem Rucksack in den Himmel trickst. Die Schriftstellerin Karen Duve fand dieses Märchen so sonderbar, dass sie sich gefragt hat, wie kann das alles sein und wie kann man sich so eine merkwürdige Geschichte heute vorstellen? Und dann hat sie das Märchen vom "Bruder Lustig" noch einmal erzählt, sehr menschlich und auch sehr lustig. In ihrem Märchenbuch "Grrrimm" nimmt Duve sich fünf Märchenklassiker vor und sucht nach den Menschen, die hinter Rotkäppchen, Schneewittchen oder Dornröschen stecken.

Im domradio.de Interview erzählt die Autorin, warum sie von den Märchen der Gebrüder Grimm so fasziniert ist: "Das sind zeitlose Geschichten, die in ihrer Aktualität nichts eingebüßt haben". Warum also eine neue Version, eine Duve Version der Grimmschen Märchen? "Ich habe einen anderen Ansatz gewählt und zum Beispiel die Perspektive gewechselt und die Geschichten in die Gegenwart versetzt". So erzählt sie "Schneewittchen" aus der Perspektive eines der sieben Zwerge in einer Männer WG. Schneewittchen sorgt in diesem Männerhaufen natürlich für viel Unruhe und Durcheinander. Karen Duves Buch "Grrrimm" ist ein Märchenbuch für Erwachsene, es ist komisch aber auch erhellend, weil die Abgründe des Menschen märchenhaft sind.