Perikles Monioudis
Perikles Monioudis

13.05.2016 - 16:57

"Frederick" - Perikles Monioudis über Fred Astaire Von der Unmöglichkeit und dem Glück schwerelos zu tanzen

"In der Kunst sucht man nicht die Antworten, man stellt die Fragen. Insofern ist der Zweifel das Wesen der Kunst“, sagt Perikles Monioudis. Der Schweizer Autor hat ein Buch über Fred Astaire geschrieben. "Frederick“ heißt es und erzählt auch von den Zweifeln, die den tanzenden Filmstar Astaire immer begleitet haben.

"Wenn ich mit meiner Schwester am Sonntag die Astaire Filme angeschaut habe, da sprang dann schon etwas über“, sagt Perikles Monioudis gegenüber domradio.de, "da sprang buchstäblich jemand in einer Eleganz und Schönheit, die mich schon damals als Junge berührte“. In seinem Buch begibt sich der Autor auf Spurensuche: Wer war Fred Astaire? Wie gelang es ihm, derart perfekt zu tanzen? Abgesehen von den Filmen gibt es nur wenig Zeugnisse über die Hollywoodlegende. "Das war für mich eine große Herausforderung und Lust, diese weißen Stellen auszufüllen“, sagt Monioudis.

Der Tänzer und sein Körper

"Frederick“ – der Buchtitel weist auf Astaires Geburtsnamen Frederick Austerlitz hin – ist weit mehr als eine spannend erzählte Romanbiografie des weltberühmten Stepptänzers, es ist zugleich ein Buch über ein Künstlerleben, verfolgt von Zweifeln und inneren Anfeindungen. So läßt Monioudis wiederholt eine teuflische Gestalt auftreten, die Astaire auffordert, den Tanz zu beenden, da "das Schönste gerade gut genug ist, um zerstört zu werden“. Es sei seine Bestimmung. Und wie kaum ein anderer spürt der Tänzer, der auf seinen Körper angewiesen ist, die Vergänglichkeit der Zeit – er wird nicht bis zum Lebensende perfekt tanzen können. "Jeder Tänzer hat ein ganz bestimmtes Körpergefühl – kein Körpergefühl wie wir, die wir an unseren Körper denken, wenn wir Schmerzen haben, wenn wir Hunger haben", sagt Monioudis, "sondern der Tänzer geht durchs Leben in dem ständigen Bewusstsein, dass er in einem Körper steckt, dass das sein Körper ist“.

Einatmen und Ausatmen

Bei Fred Astaire löst dieses Bewusstsein auch unglaubliche Ängste aus, er fühlt sich hässlich, unvollkommen, vergänglich – er tanzt dagegen an. Und dann fühlt er sich für einen Augenblick glücklich und er liebt "den Rausch des Alleinseins", wie Monioudis in seinem Roman schreibt; "in größtmöglicher Konzentration, auf der Suche nach dem nächsten Schritt, dem nächsten Atemzug, der nächsten Freiheit, die sich wiederum in Festlegungen auflösen würde, in diesen und den folgenden und den anschließenden und den nächsten Schritt; größte Freiheit und klare Festlegung wechselten einander ab, gingen ineinander über und lösten sich gleich wieder voneinander, wie das Einatmen und das Ausatmen, Atmen und Innehalten“.