Frank Witzel
Frank Witzel

09.10.2015 - 18:37

Frank Witzel über Teenager, Terroristen und Theologie Wie kann man denkend an Gott glauben?

"Was ist der Glaube? Was ist Realität? Das sind die Impulse, die mein Schreiben nähren“, sagt Frank Witzel im domradio Interview. In seinem Roman schickt er einen Teenager auf die Reise in die katholische Kindheit und läßt ihn die Frage stellen: Ist das wahr?

"Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“, so heißt der Roman von Frank Witzel. Ein 13jähriger Junge versucht, sich die Welt zu erklären, die familiäre und politische Welt um ihn und die Gedanken und Empfindungen, die er hat. Sein Instrumentarium: die katholischen Bilder der Kindheit. Märtyrer werden da zu Terroristen. "Wenn er versucht zu verstehen, was da 1969 geschieht, drängen sich ihm auch diese Vergleiche auf“, sagt Witzel.

Die Zeit des Romanhelden ist geprägt von Dualitäten. Ständig muss er sich positionieren, zwischen Geha und Pelikan, zwischen Märklin und Fleischmann entscheiden – später zwischen Beatles und Stones … . Die Welt und ihre Ansprüche überfordern den Jugendlichen. "Die Unterschiede zwischen der Welt, die wir für real halten, und der phantastischen Welt des Jugendlichen verschwimmen“, erzählt Witzel. Den Autor fasziniert, was in seinem eigenen Denken vor sich geht und welche Welten sich dort miteinander vermischen. Sein Romanheld versucht die streng empfundene Dualität zwischen Denken und Glauben aufzulösen, in dem er auf die katholische Dreifaltigkeit, den Heiligen Geist zurückgreift.

Kritiker haben Frank Witzels Buch als blasphemisch bezeichnet. Im domradio.de Interview weist der Autor dieses Urteil zurück: "Schon deswegen, weil die Möglichkeit zur Blasphemie Grundvoraussetzung jeder Glaubenserfahrung ist“. Am Ende seines Romans steht der Wunsch des Protagonisten, Christ zu sein – das zu sagen, so einfach und klar, wie der Romanheld es als Kind bei Winnetou gelesen hat: Ich bin ein Christ. "Diese Sehnsucht, sagen zu können, ich bin ein Christ, so wie er es damals als Kind gelesen hat, diese Sehnsucht existiert einfach weiter in ihm“, sagt der Autor.