21.05.2013 - 14:17

Buch zum Eucharistischen Kongress Trotz Natur und Augenschein

Wie nähert man sich heute einem religiösen Ritual, das vielen fremd geworden ist? Wie kann man die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Christi verständlich machen? Das fragen sich prominente Schriftsteller, die domradio.de angeschrieben hat.

"Das Thema hat es in sich – im wahrsten Sinne des Wortes", antwortet Ulla Hahn und versucht in einer Zukunftsvision die Bedeutung der Eucharistie im Jahr 2101 auszuloten. Erschienen ist ihr Text in dem am Dienstag (21.05.2013) veröffentlichten Buch: "Trotz Natur und Augenschein. Eucharistie - Wandlung und Weltsicht".

Ulla Hahn erzählt von den Möglichkeiten, die in der Messfeier liegen, Menschen und Nationen, die ganze Welt, in Frieden zusammen zu führen. "Nahrung, Trost und Ermutigung", erfahren die Menschen im Brot des Lebens, schreibt sie. Die Suche nach der Wahrheit im Wunder der Wandlung beschäftigt auch den Büchnerpreisträger Arnold Stadler oder Norbert Scheuer. Anna Katharina Hahn sucht in den Bildern der Vergangenheit nach Bezügen zur Gegenwart. Sie findet aber nur grausig blutsprudelnde Seitenwunden, die von Engeln gehaltene Messkelche füllen. Dabei sollte die Hostie doch trösten, man sollte nach ihr die Hände ausstrecken "wie nach einem wärmenden Herdfeuer".  In ihrem Text findet Anna Katharina Hahn dann doch die Hostie, die den Menschen Hoffnung gibt. Wie sich die Autorin dem Thema Eucharistie literarisch näherte, erzählt sie im domradio.de Interview.

"Ich glaube nun einmal nicht an so etwas", schreibt Navid Kermani: "dass andere Menschen in einem Plättchen Brot tatsächlich den Leib Christi sehen, schmecken, zerbeißen, hinunterschlucken". Warum der muslimische Schriftsteller trotzdem über die Eucharistie staunt und das Wunder der Wandlung auch bewundert, erzählt er in seinem Text über eine Monstranz, die ihn im Kölner Kolumba Museum fasziniert.

Neben den Texten der Autoren erzählen Wissenschaftler die Geschichte des Rituals, das den Kern der christlichen Botschaft sichtbar macht. Wie und warum wurde die Eucharistie für die Christen so wichtig? Karl der Große spielt da eine bedeutende Rolle und die Wandlung des Weltbildes, die im Mittelalter plötzlich möglich macht, in einem Stück Brot und etwas Wein ganz real den Leib und das Blut Christi zu sehen. Dr. Ulrike Surmann, die Mitherausgeberin des Buches, erklärt im domradio.de Interview, nach welchen Kriterien sie Kirchengeschichtler, Theologen und Germanisten auswählte, die in "Trotz Natur und Augenschein" über die Eucharistie schreiben. So klärt das Buch auf – über ein weltumspannendes Ritual, das von Asien bis Afrika, von Island bis Indien gefeiert wird. Und es verschafft uns einen möglichen Zugang zur Eucharistie, indem wir den Geschichten und Gedanken der Schriftsteller folgen, die dazu ermutigen, wie es Navid Kermani schreibt, uns auch einmal selbst zu vergessen, um eine Wirklichkeit zu erkennen, die über unser kleines Leben hinausweist.  

Illustriert werden die Texte in dem Buch von prächtigen Bildern aus dem Mittelalter. Armenbibeln, Hostienmühlen und wunderbare Monstranzen sind da zu sehen. Aber auch der blutsprudelnde Leib Christi oder die illustrierte Geschichte eines Hostienraubs. Die mittelalterlichen Darstellungen der Eucharistie bezeugen die Mühen der Künstler, die unglaubliche Wandlung in Bilder zu fassen. Das Buch "Trotz Natur und Augenschein" erscheint zum Eucharistischen Kongress in Köln und begleitet die gleichnamige Ausstellung im Kolumba Museum Köln, die an Fronleichnam eröffnet.

Trotz Natur und Augenschein

Eucharistie – Wandlung und Weltsicht

Herausgegeben von Ulrike Surmann und Johannes Schröer

376 Seiten mit ca. 130 farbigen Abbildungen

Leinen mit Schutzumschlag

Format 17,5 x 24 cm

In Zusammenarbeit mit dem KOLUMBA Kunstmuseum des Erzbistums Köln und dem DOMRADIO

24,90 Euro, ISBN 978-3-7743-0611-0

Greven Verlag Köln, 2013