Annegret Held über ihre streitbare Großmutter "Apollonia"

Die Anwesenheit des Herrgotts als Selbstverständlichkeit

"Es gibt kaum schönere Poesien wie in den Maiandachten," bekennt die Schriftstellerin Annegret Held im domradio.de Interview: "Ich bin damit aufgewachsen. Die Marienlieder berühren mich bis auf die tiefste Seele und ich singe sie auch heute immer wieder". Annegret Held ist in einem kleinen katholischen Dorf im Westerwald aufgewachsen. Dort spielt auch ihr neuer Roman "Apollonia".

 (DR)

Die Autorin erzählt in dem Buch die Geschichte ihrer Großmutter Apollonia aus der Perspektive der 16jährigen Enkelin Marie. Apollonia ist eine streitbare, verbitterte alte Frau, die wütend auf das Leben ist. Das Leben sei ein Scheißdreck, sagt sie immer wieder. "Da die Apollonia so ein mörderisches Urteil über ihr Leben fällt, kämpft Marie durch das ganze Buch um den Wert des Lebens ihrer Großmutter - es ist ihr so viel wert, dass sie ein ganzes Buch darüber schreibt". Dabei entdeckt Marie auch die schönen Zeiten im Leben der Oma. Ihr Aufenthalt in Frankreich zum Beispiel, als die jungen Leute während der Weltwirtschaftskrise aus dem Dorf im Westerwald aufbrachen, um in Frankreich Geld zu verdienen. Annegret Held erzählt in ihrem Roman auch die Geschichte eines kleinen Dorfes im Westerwald im vergangenen Jahrhunderts. Die Nazizeit zerreißt das Dorf. Viele sind begeistert vom wirtschaftlichen Aufschwung, den die Diktatur zunächst bringt. Andere kämpfen gegen den Nationalsozialismus, der den Dorfbewohnern den katholischen Glauben austreiben will. Besonders berührt ist die Autorin vom Pfarrer im Dorf: "Der ist nie genug gewürdigt worden. 1933 hat der Pfarrer schon Veranstaltungen gegen die Radikalisierung der Jugend organisiert. Er versuchte Juden zu schützen und zu retten, bis er ins KZ kam. Nach dem Krieg kam er zurück, war aber geistig verwirrt und psychisch gebrochen".  



Info

Apollonia / Annegret Held / 380 Seiten / Eichborn Verlag / 19 Euro 99