Der Petersdom in Rom
Der Petersdom in Rom

18.04.2018 - 09:20

Zerstörerisches Bauprojekt mit imposantem Ergebnis Grundsteinlegung des Petersdoms

Er gehört zu den gewaltigsten Bauten weltweit. Mit ihren 136 Metern Höhe erhebt sich die Kuppel des Petersdoms über der Stadt Rom. Doch, so alt ist die heutige Kirche noch nicht. Papst Julius II. legte im Jahr 1506 in einer feierlichen Zeremonie den Grundstein der neuen Kirche, die alles bislang dagewesene in den Schatten stellen sollte.

Seit dem vierten Jahrhundert befand sich über dem Grab des Heiligen Petrus eine Basilika, welche durch Kaiser Konstantin errichtet worden war.

Rückkehr der Päpste und ein neues Bauprojekt

Als die Päpste Ende des vierzehnten Jahrhunderts aus dem Exil in Avignon zurückkamen, bezogen sie nicht mehr ihren alten Stammsitz im Lateran, sondern wichen auf den außerhalb der Stadt gelegenen Vatikanhügel mit der Peterskirche aus.

Papst Julius II. schließlich wählte die Basilika als letzte Ruhestätte aus. Jedoch genügte die an einigen Stellen baufällige Kirche nicht den Ansprüchen des geltungsbewussten Papstes. Ein repräsentativer Anbau musste für das Grabmal her. Allerdings war die alte Kirche an einigen Stellen so baufällig, dass sie einem Neubau weichen musste.

Gewünscht: Prunk

Das neue Bauwerk sollte viel prunkvoller werden. Ziel war es: "ein Pantheon über einer Maxentiusbasilika aufzutürmen", wie die ersten Architekten es ausdrückten. Die antike heidnische Baukunst sollte um Längen übertroffen werden.

Der Preis: Zerstörung in unvorstellbarem Ausmaß

Nicht nur die alte Basilika wurde vernichtet sondern mit ihr auch die meisten ihrer unbezahlbaren Schätze.

Architekt Donato Bramante vernichtete sie mit solchem Fanatismus, dass er den Beinamen "Maestro ruinante" – Meister der Zerstörung – erhielt. Zusätzlich wurden zahllose römisch-antike Baudenkmäler für die neue Peterskirche zerstört, um Baumaterialien zu liefern.

Mehr Schaden als durch Barbaren

Der italienische Archäologe Rodolfo Lanciani schrieb im 20. Jahrhundert:

"Der Bau der neuen Peterskirche richtete an dem klassisch-antiken Erbe mehr Schaden an als zehn Jahrhunderte sogenannter Barbarei … Von der riesigen, schier unvorstellbaren Masse von Marmor jeder Art, was Farbe, Wert und Aussehen betrifft, die bei dem Bauwerk Verwendung fand, stammt nicht ein Zoll, nicht ein Atom nicht aus irgendwelchen klassischen Bauwerken, von denen viele nur wegen einem oder zwei Stücken dem Erdboden gleichgemacht wurden."

Umstrittene Finanzierung

Unter anderem wurden zur Finanzierung Ablässe verkauft, was vor allem den deutschen Theologen Martin Luther empörte:

"Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld, als dem der armen Gläubigen?", lautete sein Vorwurf.

Gewinn der wohl größten Baustelle des Abendlandes

Die Baustelle sorgte für einen enormen Aufschwung der seit dem Mittelalter völlig heruntergekommenen einstigen Weltmetropole Rom.

Die Einwohnerzahl war von einer Million auf etwa Zwanzigtausend herabgesunken. Viele Bauten waren verfallen oder eingestürzt. Mit dem Neubau der Peterskirche florierte nun das Handwerk und die Künste erneut, so dass eine ganz neue Infrastruktur entstand.

Papst Hadrian VI. verhängter Baustopp

Hadrian begründete seine Entscheidung mit der Aussage: "Wir brauchen mehr Priester für die Kirchen, nicht mehr Kirchen für die Priester."

Nach dem frühen Tod Hadrians 872 atmeten die Römer auf, weil es mit dem Bau weitergehen konnte.

120 Jahre dauerte die Errichtung des Petersdoms.

Gemeinschaftswerk der Architekten

Etwa fünfzehn Architekten waren beteiligt – unter ihnen Bramante und Raffael, Raffaels Freund Baldassare Peruzzi, etliche Mitglieder der Familie Sangallo, Michaelangelo, Giacomo Della Porta sowie Carlo Maderno.

Jeder Architekt änderte die Pläne der anderen. Allein der Grundriss wurde im Verlauf der Bauarbeiten fünf Mal geändert.

Heute jedoch ist der Petersdom repräsentatives Monument der katholischen Kirche und Hauptanziehungspunkt für die Besucher der Stadt Rom. Beeindruckt besichtigen sie die weiten Hallen der Basilika, und die umstrittenen Umstände ihrer Errichtung verschwinden dabei im Zeitfluss der Geschichte.