23.12.2017 - 09:00

Widersacher des französischen König Heinrich III. Heinrich von Guise

Frankreich 16. Jahrhundert: Staat und katholische Kirche fürchteten um Macht und Pfründe. Einer der die Macht such ist Heinrich von Guise, Führer der katholischen Liga.

Martin Luther war es, der mit seiner Botschaft Anfang des 16. Jahrhunderts Unruhe ins benachbarte Frankreich brachte. Dort war es besonders das gehobene Bürgertum, welches zum neuen protestantischen Glauben übertrat.

1588: Dem französischen König Heinrich III. steht das Wasser bis zum Hals

Der Grund: Den Hardlinern in der katholischen Liga passt es nicht, dass der junge Herrscher den Frieden mit den Protestanten sucht. Sie torpedieren alle Versuche, zu einem Ausgleich zu kommen.

Hauptkonkurrent des katholischen Königs ist der ebenfalls katholische Heinrich von Guise.

Guise - Hugenotten-Hasser, einer der Anstifter und Nutznießer der Bartholomäusnacht

16 Jahre zuvor wurden in der Bartholomäusnacht Tausende Hugenotten massakriert. Guises Spitzname lautet "La Balafré", wegen einer Narbe im Gesicht – Kriegsverletzung.

Mit Hilfe seiner Truppen hat der charismatische Feldherr Städte in Süd- und Westfrankreich besetzt und den König zu einem Vertrag gezwungen: Laut diesem ist im Reich nur die katholische Religion geduldet.

Als König Heinrich III. kinderlos bleibt und auch noch sein letzter Bruder stirbt, fehlt plötzlich ein legitimer Nachfolger für das Amt des Staatsoberhauptes. Jetzt lässt von Guise alle Masken fallen. Der katholische Hardliner greift nach der Macht.

Guise bricht mit Heinrich

Mehr noch: Im Mai 1588 zettelt von Guise in Paris einen Aufstand an, um den König im Louvre gefangen zu nehmen.

Heinrich III. gelingt die Flucht.

Um sich und seinen Thron zu retten, spielt der König auf Zeit. Er stillt scheinbar de Guises Machthunger, ernennt ihn zum Generalstatthalter – also zum Oberbefehlshaber der königlichen Armee und zum obersten Gerichtsherrn – und ruft einen Reichstag im südwestlich von Paris gelegenen Blois ein.

Auf dem Reichstag gewinnen die unversöhnlichen Einflüsterer von Heinrich die Oberhand. Sie raten ihm zum Mord an von Guise.

Der König fährt die Krallen aus

Heinrich III. beschließt, von Guise ermorden zu lassen – und befiehlt den Herzog am 23. Dezember 1588 zu sich.

Heinrich von Guise wähnt sich nahezu auf dem Gipfel der Macht. Warnungen vor einem Attentat schlägt er in den Wind.

Doch es kommt anders:

"Im Begriffe dem Gruße des Königs zu entsprechen und in dessen Kabinett zu treten wurde Herzog Heinrich von neun gascognischen Edelleuten überfallen. St. Malin führte den ersten Stoß auf den des Angriffs nicht Gewärtigen. Leblos sank der Gefürchtete zu Boden",

beschreibt Wilhelm Havemann in seinem „Handbuch der neueren Geschichte“ von 1841 den Mord.

Bruder wird Zeuge des Mordes

Heinrich von Guises Bruder, Ludwig, der Kardinal von Lothringen und Erzbischof von Reims ist, wird unfreiwillig Zeuge der Tat:

"Im Nebenzimmer vernahm der Cardinal das Geklirr der Waffen und hörte des sterbenden Bruders letzte Seufzer. Er sprang zur Rettung hinzu, wurde aber von den schottischen Hellbardiren ergriffen."

Heinrich III. lässt Ludwig von Guise festnehmen und ebenfalls ermorden.

Nach den Morden an den beiden von Guises sagt Heinrich III. triumphierend zu seiner Mutter Katharina von Medici:

"Erst heute bin ich König von Frankreich."

König ohne Volk

Die katholische Liga erhebt sich zum Aufstand gegen den König. Es kommt zu einem blutigen Bürgerkrieg. Knapp acht Monate später, am 2. August 1589, wird Heinrich III. von einem religiösen Fanatiker erdolcht. Im abergläubischen Volk raunt man sich zu:

"Das ist die Rache des Herzogs von Guise."

Moderation: Edgar Schnicke