18.08.2017 - 09:00

Paul IV. leitet die Heilige Römische Inquisition Mit neuer Härte gegen Glaubensfeinde

Als Reformation und Buchdruck im 16.Jahrhundert aufkommen verändern sie die Machtposition der Kirche: Die reagiert nun verstärkt auf vermeintliche Ketzer und Häretiker. Der spätere Papst Paul IV. leitet die Heilige Römische Inquisition und legt damit einen Grundstein für die Verfolgung von Glaubensabweichlern bis ins 20.Jahrhundert.

Geboren wird Papst Paul IV. 1476 als Gian Pietro Carafa in eine bedeutende neapolitanische Adelsfamilie. Er erhält eine humanistische Bildung und steigt schnell durch persönliche Beziehungen in der Kirchenhierarchie auf. Doch Reformation, Buchdruck und die immer schnellere Verbreitung von so genannten ketzerischen Inhalten stellen die katholische Kirche vor neue Herausforderungen. 1542 organisiert Papst Paul III. die Inquisition neu – der oberste Inquisitor wird der 66-jährige Gian Pietro Carafa mittlerweile ist er Kardinal in Rom.

Juden als Feindbild des Glaubens

Die Strafen für die sogenannten Ketzer reichen von verordneten Pilgerfahrten über Gefängnishaft bis zur Todesstrafe. 1555 wird Gian Pietro Carafa als Paul IV. im Alter von 79 Jahren zum Papst gewählt. Besonders in den Juden sieht er Feinde des "wahren Glaubens". Um den Kontakt zwischen den Religionen zu unterbinden, legt er in seiner Bulle "cum nimis absurdum" Bestimmungen für die Juden im Kirchenstaat fest. Dazu zählt die Ghettoisierung der Juden, das Verbot zum Neubau von Synagogen oder die Kennzeichnung von Juden durch bestimmte Kleidung.

Verbotene Bücher

1559 schafft Paul IV. ein weiteres Instrument für die Verfolgung von nichtchristlichem Gedankengut: Den Index verbotener Bücher, eine Liste mit Werken, die Katholiken nicht besitzen dürfen. Schon vorher hatte man veranlasst, dass Bücher vor ihrer Verbreitung durch einen päpstlichen Theologen geprüft werden – doch diese Vorschrift hatte sich nie wirklich durchsetzen können. Nun wird die Verfolgung intensiviert: Schon allein der Druckort kann ausschlaggebend für das Verbot eines Werkes sein, wenn er auf protestantischen Einfluss hinweist. Die Bücher auf dem Index sollen verbrannt und Gläubige bei widerrechtlichem Besitz exkommuniziert werden. In den folgenden Jahrhunderten stehen nicht nur religiös motivierte Schriften wie etwa die von Martin Luther auf dem Index, sondern auch Werke der Aufklärung oder philosophische Abhandlungen.

Eingreifen in die Weltpolitik

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation kämpfen die protestantischen Reichsstände gegen die katholischen Fürsten um die Anerkennung ihres Glaubens - nach dem Augsbruger Religionsfrieden von 1555 existieren zwei verschiedene Glaubensrichtungen gleichberechtigt nebeneinander. Papst Paul IV. legt Protest ein: ohne Erfolg, das sogenannte "ius reformandi" setzt sich durch. Und auch in einem zweiten Machtkampf scheitert er bei dem Versuch, seinen Einfluss gegen die protestantische Elisabeth I. geltend zu machen –  sie gelangt dennoch auf den englischen Thron.

Beschleunigter Tod

Papst Paul IV. ist ein Überzeugungstäter und gegenüber sich selbst äußerst hart. Er befolgt das das Fastengebot strengstens und schwächt so seinen Körper immer mehr. Schließlich stirbt er am 18. August 1559. Nach seinem Tof feiern die Bürger Roms Freudenfeste, befreien Gefangene und stecken den Palast der Inquisition in Brand. Wie kaum ein anderer steht er mit seinem Namen für die gnadenlos Verfolgung von Häretikern und Protestanten. Die Inquisition soll sich allerdings noch bis ins 20.Jahrhundert unter deutlich veränderten und gemilderten Bedingungen fortsetzen.

In Folge des Zweite vatikanischen Konzils wird der Index komplett abgeschafft und die Glaubenskongregation gegründet. Die hat weiterhin ein Auge auf theologische Publikationen versucht Abweichungen im Dialog zu klären.

Moderation: Pia Steckelbach