Heiliger Rochus
Heiliger Rochus mit Wanderstab

16.08.2017 - 09:00

Patron der Ärzte und Apotheker Volksheiliger Sankt Rochus

"Einen Rochus haben …" Das bezieht sich darauf, wenn man auf etwas sehr zornig ist. Mit dieser Redensart, die aus dem Jiddischen kommt, hat der gleichnamige Schutzpatron allerdings gar nichts zu tun: Der Heiligen Rochus entstieg vielmehr einer Legende.

1414. Das berühmte Konzil von Konstanz droht zu scheitern, denn die Pest ist ausgebrochen. Panik erfasst die Menschen. Da erinnern sich die Bischöfe an den Heiligen Rochus, den Pestheiligen. Sie halten eine Bittprozession ab – und tatsächlich: Die Seuche verschwindet aus Konstanz. Das Konzil kann weitergehen. Diese Geschichte ist Teil einer frommen Legende, verfasst vom venezianischen Autor und  Edelmann Francesco Diedo.

Die Legende von Rochus entsteht

"Es begab sich, dass Rochus 1295 in Montpellier als Sohn reicher Eltern geboren wurde … Sein Vater, der Stadtfürst, und die Mutter waren bereits alt. Es grenzte an ein Wunder, dass sie einen Sohn zeugen konnte", beginnt Diedos Geschichte. Es ist eine rein erdachte Legende, die Diedo da zu Papier bringt. Lediglich die Pest ist Realität, sie bricht 1478 in der Hafenstadt Venedig aus. Eine Erklärung für das große Unglück muss her. Und so sehen sich die Menschen als Sünder und Verursacher der Pest, dabei beziehen sie sich auf die einschlägigen Bibelstellen. So aus dem Buch Mose:  "Wenn du nicht auf die Stimme des Herrn, deines Gottes hörst, indem du nicht auf alle seine Gebote und Gesetze, auf die ich dich heute verpflichte achtest und sie nicht hältst, werden alle diese Verfluchungen über dich kommen und dich erreichen: [...] Der Herr heftet die Pest an dich." Oder auch auf den Psalm 91: "Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, der sagt zum Herrn: ‚Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue’. Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten [...] nicht vor der Pest, die im Finsteren schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag."

Ein zu Lebzeiten verkannnter Heiliger

Diedo will den Menschen Hoffnung geben und daher erfindet er aus den Erzählungen über Rochus die Legende. Die da lautet: "Nach dem Tod der Eltern verteilt Rochus sein Vermögen an die Armen und zieht als Pilger nach Rom. Unterwegs heilt er Pestkranke durch das Kreuzeszeichen. Als er auf dem Rückweg selbst an der Pest erkrankt, zieht er sich in einen Wald zurück. Dort versorgt ihn ein Hund mit Brot und ein Engel salbt seine Wunden." Nach seiner Heimkehr nach Montpellier wird Rochus als vermeintlicher Spion festgenommen und in den Kerker geworfen. Er gibt sich nicht zu erkennen und stirbt fünf Jahre später unter wunderbaren Umständen: Licht strahlt aus seiner Zelle, und neben dem Toten findet man eine Schrifttafel, die ihn als Fürbitter in Pestnöten empfiehlt. Erst jetzt erkennt sein Onkel, der neue Stadtfürst der Stadt, Rochus an einem kreuzförmigen Muttermal auf der Brust wieder.

Rochus-Wallfahrt in Bingen am Rhein

Die erdachten Erzählungen von Diedo zeigen Wirkung: In Montpellier wie auch in Venedig wird Rochus bis heute als Volksheiliger verehrt. Und auch im deutschen Bingen am Rhein: Nach einer Pestepidemie, die von 1666 bis 1667 dauerte und an der 450 Personen starben, wird hier seit dem Mittelalter jedes Jahr das Rochus-Fest gefeiert. So beschreibt Goethe 1814 den in der Bingener Rochus-Kapelle herrschenden Reliquien-Kult: "Man betastete den Kasten, bestrich ihn, segnete sich und verweilte solange man konnte. Aber einer verdrängte den anderen … Dabei genoss man das angenehme Gefühl, dass jeder unter seiner Last und bei seiner Bemühung, Segen und Erbauung für sein ganzes Leben hoffen durfte." Zu dem Fest gehört auch die Rochus-Prozession, in der " …mittlere Knaben in kurzen, schwarzen Pilgerkutten, Muscheln auf Haut und Kragen und Stäbe in den Händen schreiten …" wie Goethe leicht verwundert berichtet. Dieses Bild besteht bis heute. Aus dem Retter in Not und Pest, den Diedo sich erdacht hat, ist so der Pilger mit Stab und Tasche geworden, der Patron.  Ärzte, Chirurgen, Apotheker, Bestatter und Sargschreiner verehren Rochus bis heute als Schutzpatron.

Moderation: Edgar Schnicke