Großwesir Kara Mustafa
Großwesir Kara Mustafa

14.07.2018 - 09:20

Papst Innozenz XI. Hilfe entscheidet über das Tor Europas Belagerung Wiens durch die Osmanen

Politisch gesehen ist diese Zugehörigkeit der Türkei alles andere als eindeutig. Für das Für und Wider lassen sich jeweils genügend Argumente finden. Ein Zwiespalt, den es so nicht gäbe, wäre am 14. Juli 1683 alles anders gelaufen.

Die Vorgeschichte:

Zweimal Sturm auf Wien durch Osmanen

Im Jahr 1527 stehen die Osmanen zum ersten Mal vor den Toren Wiens. Das schlechte Wetter macht ihnen zu schaffen, die Nachschubwege brechen zusammen und dadurch müssen sie auch die Belagerung wieder abbrechen.

Ein weiterer Vormarsch geht im Jahr 1664 schief. Die Osmanen werden in der Schlacht bei Mogersdorf an der Raab vom kaiserlichen Heer aufgehalten. Im Anschluss an dieses Gefecht schließt man einen Friedensvertrag der für 20 Jahre gelten soll.

Türkisch – französischer Pakt gegen Habsburger

Ein Jahr vor Ablauf des Friedensvertrages wird der ehrgeizige Großwesir Kara Mustafa um Hilfe angerufen von den Kuruzen, die unter osmanischer Herrschaft operieren und in Ungarn gegen die Herrschaft der Habsburger ankämpfen.

Von Siebenbürgen aus haben sie weite Teile Ungarns für das osmanische Reich erobert und verwüstet.

Kara Mustafa sagt seine Unterstützung zu und setzt 150.000 Mann in Marsch, finanzielle Unterstützung bekommt er bei seinem Feldzug vom französischen König Ludwig XIV., der will die Macht der Habsburger eindämmen.

Verbündung von Habsburg und Polen unter Einfluss des Papstes

Am 19. Oktober verlässt Kara Mustafa Istanbul und zieht mit seinem Heer in Richtung Wien. Die Habsburger hatten sich zuvor um Frieden bemüht, erfolglos. Stattdessen schließen sie einen Allianzvertrag mit dem König von Polen um gegen einen möglichen Angriff der Osmanen vorbereitet zu sein.

Papst Innozenz XI. spielt bei diesem Bündnis eine tragende Vermittlerrolle.

Wien in hilfloser Lage

Am 7. Juli 1683 kommt es zur ersten kriegerischen Auseinandersetzung. 40.000 mit den Osmanen verbündete Tartaren überqueren den Donauzufluss Raab und beginnen zu plündern, zu morden, Feuer zu legen und Tausende als Sklaven nach Anatolien zu verschleppen.

Kaiser Leopold I. verlässt die Stadt Wien und flüchtet mit seiner Familie nach Linz.

Die Hauptarmee der Osmanen trifft am 13. Juli vor Wien ein und am nächsten Tag bauen die Soldaten ihre Zeltstadt halbkreisförmig um die Stadtmauer. Der Großwesir unterbreitet ein Kapitulationsangebot:

"Übergebt ihr mir Wien werden alle, vom Kleinsten bis zum Größten, geschützt werden. Weigert ihr euch aber, so werden wir euch erstürmen und alle, vom Kleinsten bis zum Größten, über die Klinge springen lassen."

Wien verweigert Kapitulation

Die Zahlenverhältnisse sind mehr als ungleich, ein Verteidiger steht 15 Osmanen gegenüber.

Doch etwas macht den Wienern noch mehr zu schaffen: Seuchen brechen aus durch verunreinigtes Trinkwasser und die Nahrungsmittel werden knapp.

Die Toten müssen nun innerhalb der Stadtmauern beigesetzt werden, das Volk ist erschöpft.

Sind es am Anfang noch 16.000 Soldaten gewesen, steht jetzt nur noch ein Viertel dessen zur Verfügung.

Neun Wochen Belagerung

"Die türkischen Maulwürfe unter unseren Füßen bereiteten eine neue Sprengung vor. Das war nun gewiss, wir mussten jeden Moment damit rechnen, dass sie uns in die Luft jagen."

Doch soweit kommt es nicht. Am 7. September 1683 erreicht ein von Papst Innozenz XI. ein mitfinanziertes Heer die Anhöhen von Wien.

Rettung in letzter Minute bringt den Tod

Im allerletzten Augenblick führt der Polenkönig Jan Sobieski dieses Heer in den Rücken der türkischen Armee.

Am 12. September 1683 müssen die Osmanen den Rückzug antreten, auch dieser Angriff auf Wien ist gescheitert und der Großwesir Kara Mustafa bezahlt diese Niederlage mit seinem Leben. Auf Befehl seines Sultans wird er mit einer Seidenschnur erdrosselt.