Claudio Monteverdi
Claudio Monteverdi

29.11.2018 - 09:20

Musiker – Priester – Hobby-Alchemist Monteverdi

Claudio Monteverdi veränderte zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Musik des Abendlandes auf dramatische Weise. Als er am 29. November 1643 in Venedig starb, war der Italiener der berühmteste Komponist seiner Zeit.

Venedig im Frühjahr 1626: Claudio Monteverdi brütet über Glaskolben und Reagenzgläsern. Eigentlich sollte er als Kapellmeister an der berühmten San Marco-Basilika geistliche Musik schreiben, doch eine schwere Krankheit fesselt den Tonkünstler seit Wochen ans Bett. Aber anstatt auf die Ärzte zu vertrauen, versucht er selbst herauszufinden, was ihm fehlt. Seriöse Wissenschaft und Alchemie geraten bei seinen nicht ganz ernst gemeinten Forschungen etwas durcheinander. In selbstironischen Briefen berichtet Monteverdi von seinen nicht gerade von Erfolg gekrönten Experimenten. Aber seine Neugier und die Bereitschaft, auch neue Wege zu wagen, haben ihn dahin gebracht, wo er zu dieser Zeit bereits ist: an der Spitze der europäischen Musik – kaum ein Musiker ist so anerkannt zu dieser Zeit wie der Mann aus Cremona.

Der Erfinder des neuen Stils

Mehr Virtuosität, mehr Gefühl und weniger strenger Kontrapunkt, das will Monteverdi mit seiner Musik erreichen. Um die Jahrhundertwende entwickelt sich ein neuer Stil, der die typische Chormusik des 16. Jahrhunderts im Stil von Paestrina und Lasso nach und nach verdrängt. Daran ist Monteverdi maßgeblich beteiligt. Es geht ihm darum die menschlichen Affekte, die Gefühle wie Liebe, Sehnsucht, Trauer oder Freude besser darstellen zu können. In seiner epochalen Marienvesper von 1610 fasst Monteverdi die beiden Stile in einem Werk zusammen. Schon als junger Mann erprobt Monteverdi den neuen Stil in seinen ersten weltlichen Kompositionen, den Madrigalen.

Bescheidene Anfänge

1567 im norditalienischen Cremona geboren und aufgewachsen, tritt Monteverdi mit 23 Jahren seine erste Stelle als professioneller Musiker in der Hofkapelle von Mantua als Geiger und Sänger an. In dieser Zeit etabliert sich in Italien die Oper als ganz neue Gattung. In Florenz entstehen die ersten Versuche, antike Dramen in Musik umzusetzen. Diese Werke geraten noch sehr schematisch, erst Monteverdi gelingt der Durchbruch. 1607 wird am Hof von Mantua seine erste Oper aufgeführt. Die Vertonung der antiken Sage über den Helden Orpheus, der mit seinem Gesang Menschen und Götter gleichermaßen entzückt, wird ein großer Erfolg.

Private Tragödie und Durchbruch

Doch im Jahr seines beruflichen Durchbruchs folgt das private Drama. Monteverdis noch junge Ehefrau stirbt, für ihn bricht eine Welt zusammen. Verwitwet, überarbeitet und schlecht bezahlt hält Monteverdi in Mantua bald nichts mehr. Erst 1613 erhält er einen der bedeutendsten musikalischen Posten innerhalb der katholischen Kirche: die Kapellmeisterstelle an der berühmten San Marco Basilika in Venedig. Wie besessen stürzt sich Monteverdi in die Arbeit; er stellt neue, bessere Sänger und Instrumentalisten ein, kauft Noten und reformiert den liturgischen Gesang an der Kathedrale.

Anerkennung in Venedig

Im reichen Venedig legen die Bürger großen Wert auf ansprechende Musik - und Monteverdi führt das Musikleben der Stadt zu neuen Höhen. Er komponiert weltliche Madrigale voller Witz und Ironie, schreibt Motetten und Messen für den Gottesdienst. Die Mühe lohnt sich, schon bald kommen zahlreiche Komponisten aus ganz Europa zu ihm, um seine Werke zu hören.

Priesterweihe und Höhepunkt des Ruhms

1632 lässt sich der tiefgläubige Monteverdi zum Priester weihen, doch der Klerikerstand hält ihn nicht davon ab, in den folgenden Jahren wieder vermehrt für die Opernhäuser in Venedig zu schreiben. Im Alter von 75 Jahren komponiert er seine letzte und zugleich berühmteste Oper "Die Krönung der Poppea". Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes stirbt Monteverdi schließlich ein Jahr später am 29. November 1643. Bei der Totenfeier in San Marco ist fast ganz Venedig anwesend. Zeitgenossen berichten, der italienische Komponist sei "wie ein Fürst“ zu Grabe getragen worden.