03.07.2018 - 09:20

Heiliger Zweifler Apostel Thomas

Etwa 70 nach Christus wird ein Mann in der Nähe der südindischen Stadt Madras getötet. Durch Lanze oder Schwert – der Vorwurf: Missionstätigkeit. Er hatte etwa drei Jahre lang Jesus begleitet, um schließlich als Apostel in die Welt ausgesandt zu werden. Die Rede ist von Apostel Thomas. Heute ist sein Fest.

An dem Ort seines Martyriums, dem Thomasberg im Süden Indiens, wird 1547 eine Kirche errichtet.

Von Indien an die Adria

Teile von Thomas’ Reliquien überführt man im 3. Jahrhundert nach Edessa in der heutigen Türkei.

Die Übertragung der Reliquien nach Edessa wird als Gedenktag am 3. Juli gefeiert. Obwohl deren Reise von dort weiter geht: 1218 zur griechischen Insel Chios und schließlich 1258 durch Kreuzfahrer nach Ortona, an der Adria.

Thomas der Zweifler

Bekannt geworden ist Thomas durch eine wenig rühmliche Geschichte, zwei Tage nach der Kreuzigung Jesu.

Die Jünger waren beisammen und hatten aus Angst die Türen verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und zeigte ihnen seine Hände und seine Seitenwunde.

Thomas selbst war bei diesem Ereignis nicht dabei und weigerte sich, an das Erscheinen des Herrn zu glauben.

"Niemals werde ich das glauben! Da müsste ich erst die Spuren der Nägel an seinen Händen sehen und sie mit meinen Finger fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen – sonst glaube ich nicht!"

Acht Tage später, so berichtet der Evangelist Johannes, waren die Jünger wieder versammelt. Jesus erschien wieder und diesmal war Thomas mit dabei.

Ein barockes Bild prägt unsere Vorstellung von Thomas dem Zweifler

Die sicher berühmteste Darstellung dieser Szene stammt von Caravaggio, gemalt Anfang des 17. Jahrhunderts. Jesus, Thomas und zwei weitere Apostel befinden sich in einem dunklen, fensterlosen Raum. Eine unbestimmte sehr helle Lichtquelle richtet sich auf die Hand des Thomas und beleuchtet so den Raum. Im Bildmittelpunkt hier: Jesus’ ungewöhnlich große Hand, die Thomas am Arm fasst. Der Apostel ist erschüttert: seine Augen sind weit aufgerissen, auf seiner Stirn zeichnen sich tiefe Furchen.

Diese Darstellung des Barock-Künstlers Michelangelo Merisi da Caravaggio hat sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Auch durch die vielen Kopien, die es in der Kunstgeschichte von diesem Werk gibt.

Dennoch: im Evangelium wird offengelassen, ob sich Thomas' Wunsch tatsächlich so erfüllt hat.

Spott für Thomas – dem Schutzpatron der Theologen

Im Volksmund ist dem Apostel als der „Ungläubiger Thomas“ der Spott geblieben.

Nichts desto trotz ist Thomas, der Zweifler, der Schutzpatron der Theologen.

Das scheint zunächst erstaunlich.

Andererseits gibt die Begebenheit um den Zweifel des Thomas die gesamte Theologische Debatte von Sehen und Glauben wieder.

Somit thematisiert der 3. Juli mit dem Gedenktag des Apostel Thomas das Aufeinandertreffen von Glaube und Wissen, Vertrauen und Sicherheit, Wunder und Fakten.