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Diplomatische Annäherung

30.12.2013 - 09:20

Grundlagenvertrag zwischen Israel und Vatikan Neue Haltung zum Judentum

Er wurde als wichtiger historischer Schritt zur Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Staat Israel bezeichnet. Mit dem sogenannten Grundlagenvertrag vom 30. Dezember 1993 wurden jedoch nicht nur die zwischenstaatlichen Verhältnisse auf eine neue Basis gestellt, vielmehr wandelte sich auch die Haltung der katholischen Kirche zum Judentum und dem jüdischen Volk:

Als Anfang des 20. Jahrhunderts der Führer der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl, um eine Audienz bei Papst Pius X. bat, wurde er abgewiesen. Das Anliegen eines jüdischen Staates hatte der Vatikan sich noch nicht zueigen gemacht. Wenn auch die Vatikandiplomaten hiernach immer wieder darauf hinwiesen, dass der Papst  Zionismus und das Bemühen um einen eigenen Staat Israel in keinerweise verurteilte.

So hat auch der Kirchenstaat in Eintracht mit den meisten katholisch geprägten Länder am 29. November 1947 für die historische Resolution 181 der Vereinten Nationen gestimmt. Diese besiegelte die Beendigung des britischen Mandats in Palästina und forderte die Teilung der Region in einen israelischen und einen arabischen Staat.

Es bleibt aber gegenüber der Katholischen Kirche der unterschwellige Vorwurf des Antisemitismus bestehen. Unter anderem, weil in einer Strömung der Katholiken davon gesprochen wurde, dass die Juden durch die Nicht-Anerkennung von Jesus als den Messias ihren Anspruch als Volk verwirkt hätten.

Außerdem standen am 14. Mai 1948 der neuen Staatsgründung Israels die Katholische Kirche und ihre Mitglieder vielfach zurückhaltend und teilweise spürbar distanziert gegenüber.

Zu den Schritten aufeinander zu, kann aber der Besuch von Papst Paul VI. im Jahr 1964 in Jerusalem fand gewertet werden. Sicherlich hat die Reise dazu beigetragen, dass im Jahr darauf im Konzilsdokument "Nostra aetate" (1965) das spürbar verbesserte Verhältnis zu formulieren.

Nun wird in Hinblick auf das Judentum dazu aufgerufen, Missverständnisse zu überwinden und sich auf das "gemeinsame Erbe" zu besinnen. Der Antisemitismus wird verurteilt. Die in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder von katholischer Seite geäußerte Ansicht der Allgemeinschuld des jüdischen Volkes am Kreuzestod Christi verworfen.

Dennoch fehlte die völkerrechtliche Anerkennung Israels und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen durch den Vatikan. Erst 30 Jahre später ging die katholische Kirche auch diesen Schritt.

Am 30. Dezember 1993 wurde der Grundlagenvertrag zwischen dem Staat Israel und dem Apostolischen Stuhl unterzeichnet. Damit nahm der Vatikan als letzter europäischer Staat diplomatische Beziehungen zum Staat Israel auf. Der Heilige Stuhl und der Staat Israel verpflichten sich darin unter anderem zur Zusammenarbeit im Kampf gegen alle Formen Antisemitismus und Religiöse Intoleranz.

Ohne den Grundlagenvertrag wäre der historische Besuch Papst Johannes Paul II. in Israel im Jahr 2000 wohl kaum möglich gewesen. Ebenso die Folgebesuche, wie der von Papsts Benedikt XVI. 2009.