Mutter Teresa erhält den Friedensnobelpreis 1979
Mutter Teresa erhält den Friedensnobelpreis 1979

10.12.2018 - 09:20

Flammender Appell gegen Abtreibung Friedensnobelpreis für Mutter Teresa

Am 10.12.1979 erhielt Mutter Teresa den Friedens-Nobelpreis "für ihre Tätigkeit, den Leidenden Hilfe zu bringen". Doch in ihrer Rede in Oslo ging sie, zur Überraschung Vieler, darauf kaum ein.

"Als Anerkennung ihrer Tätigkeit, der leidenden Menschheit Hilfe zu bringen." So begründete das norwegische Komitee die Verleihung des Friedensnobelpreises 1979 an Mutter Teresa. Die von ihr in Indien gegründeten Missionarinnen der Nächstenliebe stünden für die Ehrfurcht vor den Menschen – Besonders die Elenden und Sterbenden hätten von Mutter Teresa Mitgefühl erfahren - ohne Herablassung.

Mutter Teresa weiß um die große Bühne in Oslo

Als die 69-jährige Ordensschwester geehrt wird, erwarten die Anwesenden im festlich geschmückten Rathaus von Oslo das übliche. Eine Dankesrede, darin womöglich ein Aufruf zu Nächstenliebe und ggf. die Bitte um Unterstützung.

Doch als Mutter Teresa an jenem 10. Dezember 1979 ans Rednerpult tritt, geht sie auf all dies kaum ein - sie hat Mission und weiß, dass die ganze Welt ihr gerade jetzt zuhört.
"Ich habe eine Überzeugung, die ich Ihnen allen mitteilen möchte: Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoß ermorden kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch, als wenn wir uns gegenseitig umbringen?"

"Die ärmsten Länder sind die, die Abtreibung legalisiert haben"

Mutter Teresa hat einen kleinen Notizzettel in der Hand, doch ihr Blick ist fest auf die versammelte Festgesellschaft gerichtet. Ihre Betonungen sind scharf. Der Engel der Hungernden spricht über die Armut, doch sind es bei ihr nicht Hunger und Mittellosigkeit, die die wahre Armut darstellen.

"Für mich sind die Nationen, die Abtreibung legalisiert haben, die ärmsten Länder. Sie fürchten die Kleinen, sie fürchten das ungeborene Kind. In den Zeitungen lesen wir dieses und jenes, aber niemand spricht von den Millionen von Kleinen, die empfangen wurden mit der gleichen Liebe wie Sie und ich, mit dem Leben Gottes. Und wir sagen nichts, wir sind stumm."

Nach der Rede folgte vorsichtige Kritik an der Preisträgerin

Stumm blieben auch einige Beobachter nach der Rede, manche übten vorsichtige Kritik an der neuen Friedensnobelpreisträgerin. Nicht allen schmeckte es, wie Mutter Teresa die große Bühne nutzte. Schließlich etablierte sich gerade in den 1970er Jahren in vielen Teilen der westlichen Welt die Meinung, dass Abtreibung eine Möglichkeit sei, dem Problem der Überbevölkerung entgegenzutreten. Einige Kritiker verwiesen darauf, dass doch auch Mutter Teresas Wirkungsstätte Indien damit zu kämpfen habe. Der Appell der Ordensgründerin zum Abschluss ihrer 20 Minütigen Rede wies aber in eine andere Richtung:

"Ich bitte Sie hier im Namen der Kleinen: Rettet das ungeborene Kind, erkennt die Gegenwart Jesu in ihm! Deshalb fordere ich Sie heute auf, Majestäten, Exzellenzen, meine Damen und Herren, die Sie aus vielen Ländern der Erde gekommen sind: Beten Sie, dass wir den Mut haben mögen, das ungeborene Leben zu schützen. Denn das Kind ist das größte Geschenk Gottes für die Familie, für ein Volk und für die Welt. Gott segne Sie!"

Hatte die Rede Folgen für potentielle "kirchliche" Preisträger?

Die Rede von Mutter Teresa hatte Folgen – zwar stieß sie nicht unbedingt wie von der Preisträgerin erhofft, die Diskussion über den Umgang mit Abtreibungen an. Wohl aber vermuten einige Beobachter, dass die unbequeme Rede die Auswahl künftiger Preisträger nachhaltig beeinflusste.

Gerade im Hinblick auf Papst Johannes Paul II. kam der Verdacht auf, dass Vertreter der katholischen Kirche womöglich nicht mehr gut gelitten waren in dem vom norwegischen Parlament bestimmten Gremium. Mehrmals war das Oberhaupt der katholischen Kirche in den Folgejahren nominiert, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Spätestens 2003 rechneten Beobachter fest mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Johannes Paul II. Sehr energisch hatte der gesundheitlich angeschlagene Papst damals seine Stimme gegen den Irak-Krieg erhoben und weltweit Respekt geerntet. Doch das Komitee entschied sich für die iranische Menschenrechtlerin Shirin Ebadi. Unter den Friedensnobelpreisträgern war Mutter Teresa 1979 die seitdem letzte Vertreterin der katholischen Kirche.