Grotte im Wallfahrtsort Lourdes
Grotte im Wallfahrtsort Lourdes

11.02.2019 - 09:20

Erste Marienerscheinung in Lourdes Das Geheimnis der Grotte

Millionen Menschen kommen jedes Jahr in das kleine französische Pyrenäenstädchen Lourdes – wegen eines kleinen Mädchens und einer großen Frau. Bernadette Soubirous erschien dort die heilige Maria, die Mutter Gottes, das erste Mal am 11. Februar 1858.

Es ist ein kalter Februarmorgen des Jahres 1858. Bernadette Soubirous ist mit einer Schwester und einer Freundin in der Nähe der Stadt Lourdes unterwegs, um Feuerholz zu suchen. Bernadette ist 14 Jahre alt und kommt aus einer Müllersfamilie, die aber verarmt ist. Sie ist zu klein für ihr Alter und hat seit einer Cholera-Epidemie Asthma. Die drei Mädchen suchen das Holz am Fluss Gave de Pau in der Nähe der Grotte Massabielle. Als die beiden anderen Mädchen den Fluss überqueren, bleibt Bernadette zurück. Was dann passiert, beschreibt sie später so:

"Ich hörte ein Geräusch ähnlich einem Windstoß. Da hob ich die Augen zur Grotte und sah eine  Dame. Sie hatte ein weißes Kleid, einen blauen Gürtel und eine goldene Rose in der Farbe ihres Rosenkranzes auf jedem Fuß. Als ich das sah, rieb ich mir die Augen, weil ich dachte, mich zu täuschen."

Gemeinsames Rosenkranzgebet

Ihren Rosenkranz in der Hand, geht Bernadette laut der Heiligenerzählung auf die Erscheinung zu. Sie versucht, das Kreuzzeichen zu machen, kann aber ihre Hand nicht bewegen. Erst, als die weiße Frau sich bekreuzigt, kann auch sie es. Sie kniet nieder und betet den Rosenkranz. Dann ist die Erscheinung verschwunden. Bernadette läuft durch den Fluss zu den anderen Mädchen und erzählt ihnen davon. Zuhause angekommen, erzählen die Mädchen Bernadettes Mutter von ihrem Erlebnis. Die ist sehr skeptisch und verbietet Bernadette, noch einmal zur Grotte zu gehen. Doch in Lourdes spricht sich die Erscheinung herum. Manche glauben Bernadette, andere machen sich über sie lustig. Eine Gruppe Mädchen überredet Bernadettes Mutter nach zwei Tagen, dass sie mit Bernadette noch einmal zur Grotte gehen dürfen. Aus Angst nehmen die Mädchen Weihwasser mit. An der Grotte angekommen, beten die Mädchen den Rosenkranz. Tatsächlich erscheint die weiße Dame wieder, doch Bernadette ist die einzige, die sie sieht. Sie besprengt die Erscheinung mit Weihwasser und sagt:

"Wenn Sie vom lieben Gott kommen, dann bleiben Sie hier – wenn nicht, machen Sie sich davon."

Siebzehn Erscheinungen

Insgesamt erscheint Bernadette Soubirous die Frau zwischen Februar und Juli 1858 18 Mal. Einmal gräbt Bernadette eine Quelle aus. Deren Wasser soll heilende Wirkung haben, kurze Zeit später hält eine junge Frau aus dem Ort ihren lahmen Arm in das Wasser und kann ihn nach den Erzählungen sofort wieder bewegen. Bis heute hat die katholische Kirche 67 solcher Wunderheilungen in Lourdes anerkannt. Bei einem anderen Treffen bittet die Erscheinung:

"Sagen Sie zu den Priestern, dass man in Prozessionen hierher kommen und eine Kapelle bauen soll."

Widerstand auch von der Kirche

Doch da stößt Bernadette auf Widerstand. Denn obwohl ihre Geschichte bald in ganz Frankreich durch die Presse geht, stößt sie auf sehr unterschiedliche Reaktionen: Es kommen zu jeder Erscheinung mehr Leute, doch es herrscht auch große Skepsis – bei weltlichen wie kirchlichen Stellen. Auch der Pfarrer von Lourdes gehört dazu. Er will zuerst, dass die Erscheinung ihren Namen sagt. Doch den sagt die Erscheinung erst beim dritten Treffen danach:

"Ich bin die Unbefleckte Empfängnis."

Bernadette kann mit diesen Worten nichts anfangen und sagt sie den ganzen Rückweg vor sich her. Der Pfarrer ist verwundert, denn das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis wurde erst vier Jahre zuvor verkündet und Bernadette ist vollkommen ungebildet. Sie konnnte davon noch nie gehört haben.

Anerkennung 1862

1862 erkennt die katholische Kirche Bernadettes Erscheinungen an. Vier Jahre später wird an der Grotte eine kleine Kapelle gebaut, bei dem auch Bernadettes Vater mithilft. Die Kapelle ist heute die Krypta im heiligen Bezirk in Lourdes, in dem später noch mehrere Kirchen gebaut wurden  Doch die Kritik und die Zweifel an den Erscheinungen und an Bernadette Soubirous verstummt nicht. So scheint sich zu bewahrheiten, was die Frau Bernadette bei einem Treffen sagt:

"Ich verspreche Ihnen nicht, Sie in dieser Welt glücklich zu machen, wohl aber in der anderen."

Zeit ihres Lebens wird Bernadette Soubirous wegen der Erscheinungen angefeindet, auch von den Schwestern des Ordens, in den sie später eintritt. Im Kloster darf darüber nicht gesprochen werden. Nachdem Bernadette ins Kloster eingetreten ist, geht sie nie wieder zur Grotte. Sie stirbt 1879 mit 35 Jahren. 1933 wird sie heilig gesprochen. Heute fahren jedes Jahr Millionen von Menschen nach Lourdes.

(DR)