06.12.2018 - 09:20

Ein Heiliger aus zwei Gottesmännern Der Heilige Nikolaus

Sankt Nikolaus in aller Munde, ob als Kinderlied oder Schokoladenmann. Advent ohne den guten Mann ist wie ein Himmel ohne Sterne. Im 4. Jahrhundert soll er gelebt haben. Soll, denn womöglich hat es den einen heiligen Nikolaus nie gegeben.

Er ist der volkstümlichste Heilige der Deutschen überhaupt. Seit 1500 Jahren wird er nun schon verehrt.

In seiner Brust wohnen zwei Seelen, erklärt Theologe und Brauchtumsforscher, Manfred Becker-Huberti. Dennoch hat er nur einen Gedenktag und das ist der 6. Dezember.

Historischer Nikolaus

"Man weiß, dass es den Nikolaus von Sion gegeben hat, einen Abt in Kleinasien, der im 6. Jahrhundert gelebt hat. Man weiß auch, dass es den anderen Nikolaus gegeben hat: Nämlich einen Bischof Nikolaus von Myra. Wann der aber gelebt hat, weiß man eben nicht. Man vermutet heute, dass er im 3. oder 4. Jahrhundert gelebt haben muss. Und da ist bereits das Ende des historischen Wissens erreicht."

Bekannt ist allerdings, dass die ersten Legenden von Nikolaus von Myra aus der Ostkirche kamen. Hier wurde er schon seit dem 5. Jahrhundert verehrt. Im Westen geschah das erst 300 Jahre später. Und obwohl man hier in Sachen Nikolaus eher Spätzünder war, startete man 1097 eine "Rettungsaktion": Die Gebeine des Heiligen Nikolaus wurden aus Myra nach Süditalien geschifft. Der Grund für die Maßnahme: Myra lief zu der Zeit Gefahr, von den Muslimen erobert zu werden. Damit wären dann die Gebeine des Heilige Nikolaus der westlichen Christenheit "verlorengegangen". Sind sie dann ja nicht und so wurde Nikolaus im 13. Jahrhundert zur Berühmtheit.

Rote Mütze, weiter Mantel und wallender Bart.

So sieht er heute aus, das ist aber nicht das Gewand vom heiligen Mann. Ursprünglich wurde er auf streng byzantinischen Ikonen als der Bischof dargestellt, der er ja war: Mit Stirnglatze und Bart. In der Westkirche trug er dann keinen Bart mehr, sondern volles Haar, Bischofsmütze und –stab.

Nikolaus der Kinderfreund

Neben dem Heiligen sah man oft ein Fass mit drei Knaben abgebildet. Ein Symbol für eine der Legenden aus dem 12.-13. Jahrhundert, die ihm den Ruf des Kinderfreundes einbrachte. Darin geht es um drei Scholaren

"Die gerieten an einen Wirt, der sie umbrachte, einpökelte und damit seine Gäste füttern wollte. Nikolaus erweckt die drei Knaben zum Leben, sorgt für die Bestrafung des Gastwirtes .Und das führte dazu, dass Nikolaus hier im Westen als Kinderheiliger auftrat."

Nikolaus der Schenker

Voller Freude warten heute die Kinder auf den Abend des 5. Dezember, dann stellen sie Schuhe und Teller auf und hoffen, dass Sankt Nikolaus sie mit einer ordentlichen Portion Süßigkeiten füllt. Zum Schenker machte den heiligen Mann schon eine der frühen Legenden, die auch Vorbild für die Schülerlegende war.

"Dieser Nikolaus rettet drei Mädchen, noch bevor er Bischof war  dadurch, dass er ihnen an drei aufeinanderfolgenden Tagen einen Goldklumpen ins Haus wirft. Die Mädchen gehörten zu einem ehemals gut betuchten Vater, der seine Töchter nicht standesgemäß verheiraten konnte und sie deshalb auf die Straße schicken wollte, musste. Durch das Geschenk des Nikolaus wurde das eben verhindert. Beim dritten Mal lief ihm der Vater nach und erfuhr so, wer der Spender war."

Hausbesuche

Welchem Nikolaus nun eigentlich welche Legende zuzuschreiben ist, das ist sehr schwer auseinanderzuhalten.

Fest steht, seit dem 17. Jahrhundert teilt Sankt Nikolaus seine guten Gaben nicht mehr nur aus, sondern kommt selbst zu Besuch.

Der 6. Dezember ist sein Gedenktag.