29.04.2017 - 09:00

Die Rote Eminenz Frankreichs Kardinal Richelieu

"Ein König, ein Glaube, ein Gesetz." Das ist der Leitspruch von Armand-Jean du Plessis, Premier Duc de Richelieu, kurz Kardinal Richelieu. Der französische Aristokrat, Staatsmann und Kirchenfürst meint damit: Der an der Spitze des Landes stehende Herrscher bestimmt alle Belange des Landes – und dies tut er alleine. Im Namen eines Glaubens – des katholischen. Am 29. April 1624 wird er in den französischen Staatsrat berufen.

Das goldene Zeitalter Frankreichs bricht an

Mit Richelieus Berufung in den französischen Staatsrat am 29. April 1624 beginnt das 'Goldene Zeitalter' Frankreichs. Seine Politik ebnet dem französischen Absolutismus den Weg und macht das Land zur mächtigsten Macht Europas. Dabei sind Richelieus Anfänge mühsam. Im September 1585 in Paris geboren, will der ehrgeizige junge Mann eigentlich zum Militär. Doch als sich eine geistliche Karrieremöglichkeit auftut, wirft er sich auf das Studium der Theologie. Mit 22 Jahren wird er Bischof in Lucon, einem einsamen Flecken im Westen des Landes. Richelieu rümpft die Nase: "Ich habe keinen Raum, wo ich Feuer machen kann, ohne dass es qualmt, es gibt keinen Garten. Mein Haus gleicht einem Gefängnis. Kurz und schlecht: Ich bin ein Bettler!"

Schlag gegen die Hugenotten

Doch dank der Patronage der Regentin Maria von Medici, die einen Narren an dem blitzgescheiten Mann aus dem geistlichen Stand gefressen hat, macht er schnell Karriere. 1622 wird er zum Kardinal ernannt, 1624  wird er Mitglied des Staatsrats. Im August des gleichen Jahres macht ihn König Ludwig XIII zum Ersten Minister. Von nun geht alles nach Richelieus Plan, der alles daran setzt, die Macht des französischen Königshauses zu stärken: Zuerst muss er die Opposition gegen den König, die Hugenotten, niederhalten. Sie genießen in Frankreich viele Sonderrechte. 1628 erobert Richelieu die Festung La Rochelle und bricht damit die militärische Macht der protestantischen Hugenotten: "Vom Fall La Rochelles hängt das Staatswohl ab, die Ruhe des Landes, die Festigkeit der Regierungsgewalt. Einen Staat im Staate darf es nicht geben!" Damit wird der Katholizismus als Staatsreligion bestätigt. Im Gnadenedikt von Alès  aber sichert Richelieu 1629 den Unterlegenen Glaubensfreiheit zu.

Europa als Schlachtfeld

Nachdem das erste Ziel erreicht worden ist betritt Richelieu den europäischen Schauplatz, wo der Dreißigjährige Krieg tobt. Richelieu sieht Frankreich vom Haus Habsburg umzingelt. Im Norden in Flandern, an der Ostgrenze mit der Grafschaft Burgund und im Süden mit dem spanischen Mutterland. Sein Ziel: Er will die alleinige Vorherrschaft Frankreichs und um Wien und Madrid zu schwächen, ist Richelieu jedes Mittel recht. Aus Staatsräson schmiedet er sogar Allianzen mit den Protestanten Christian von Dänemark und dem Schwedenkönig Gustav Adolf. Dass er damit zum bestgehassten Mann Europa aufsteigt, als " … Papst der Calvinisten und Patriarch der Gottlosen ... ", so seine Kritiker, beschimpft wird, interessiert den Kardinal nicht. Aufgrund seiner Spione ist Richelieu seinen Konkurrenten immer einen Schritt voraus. In die Karten blickt lässt er sich nicht: "Das Wissen, wie man sich verstellt, ist das Wissen der Könige."

Mordversuche gegen den Kardinal

Nachdem mehrere Attentate auf ihn fehlschlagen, darf er sich sogar eine 2700 Mann zählende Leibgarde zulegen. Die Mordversuche kommentiert er lakonisch: "Es ist nicht mein Ziel, geliebt zu werden. Mir genügt es, wenn man mich respektiert." Der Mann, der ihn am meisten respektiert und ihm nahezu gehorcht, ist der französische König. Ludwig XIII winkt alle Entscheidungen des Kardinals ab, bei ihm hat Richelieu Prokura. Kein Wunder, dass über seinen Ausspruch "Ein König, Herrscher über Frankreich, bedeutet, dass niemand ihm gleichkommt und alle unter ihm  stehen ..." an Europas Höfen hinter vorgehaltener Hand gespottet wird. Schließlich weiß jeder, dass Richelieu der wahre Herrscher Frankreichs ist. Der all seine Ziel erreicht: Er stärkt den absolutistischen Machtanspruch des Königshauses und macht Frankreich zur Hegemonialmacht des Kontinents.

Richelieu stirbt friedlich

Als sich die Nachricht von Richelieus Tod am 4. Dezember 1642 verbreitet, werden überall in Europa Freudenfeuer angezündet. Und Papst Urban VIII. bemerkt in Rom: "Wenn es einen Gott gibt, wird dieser Mann ein strenges Gericht zu bestehen haben. Gibt es ihn nicht, hat Herr von Richelieu ein große Karriere gemacht."

 

Moderation: Edgar Schnicke