03.01.2018 - 09:00

Der Reformator wird exkommuniziert Leos Kirchenbann gegen Luther

Vor den Reichstag in Worms soll sich Luther erklären. Mit dem ‚Decet Romanum Pontificem‘ hat der Vatikan zuvor den Bannfluch über den protestantischen Reformator ausgesprochen. Für den ehemaligen Augustinermönch geht es um alles…

"Gott hat uns das Papsttum geschenkt. Lasst es uns genießen", sagt Giovanni di Medici  als er 1513 den Papstthron besteigt. Mit nur 37 Jahren zum Papst geworden, nennt er sich zwar Leo X, aber: Er ist und bleibt ein Medici! Er sieht er sich als großer Mäzen und beruft die berühmtesten Künstler seiner Zeit wie Raffael, Michelangelo und Bramante zur Vollendung des Petersdoms nach Rom, der von seinem Vorgänger Julius II begonnen wurde. Die Banken in Leos Heimatstadt Florenz wittern von Anfang an das Geschäft: Nach seinem Amtsantritt 1513 eröffnen 30 Florentiner Geldinstitute Filialen in Rom. Julius hat große Reserven hinterlassen, doch sie werden von Leo verprasst.

Tetzel erregt den Zorn Luthers

Weniger begeistert sind die Deutschen. Sie ahnen, dass der neue Papst sein Wirtschaftswunder mit ihrem Geld finanzieren will. Ihr Argwohn steigt, als der Dominikaner Johann Tetzel den Ablass zu predigen beginnt. Tetzel ist das Verkaufsgenie seiner Zeit. Seine Devise lautet: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt!" Die Reaktion aus dem sachsen-anhaltinischen Wittenberg in Gestalt des Augustinermönchs Martin Luther interessiert am Vatikan anfangs niemanden. Rom sieht sich immer noch als 'Caput mundi', als 'Haupt der Welt'.

Der Buchdruck verleiht der Reformation Flügel

Der Anschlag seiner 95 Thesen im Oktober 1517? Mitnichten die Geburtsstunde der Reformation, sondern nur Theologen-Disput. Erst der Buchdruck, den es seit 70 Jahren gibt, und der dazumal eine Revolution wie heute das Internet darstellt, sorgt für die massenhafte Verbreitung der Lutherschen Thesen. "Die Buchdruckerkunst ist die letzte und größte Wohltat Gottes, durch welche die Ausbreitung des Evangeliums fortgeführt werden kann", stellt Martin Luther fest.

Die Situation gerät außer Kontrolle

Und nicht nur das … Im Juni 1519 folgt das Streitgespräch zwischen dem katholischen Theologen Eck und Luther. Das ist die Wendung: Luthers Worte sind plötzlich in aller Munde, vor allem seine Schrift ‚Von der Freiheit eines Christenmenschen‘. Sie wird hundertfach vervielfältigt. Sie ist Dynamit! Der Vatikan reagiert: Am 15. Juni 1520 verurteilt er in der 'Exsurge Domine' 41 Schriften von Luther. Als er die Bulle am 10. Dezember 1520 am Wittenberger Elstertor unter dem Gejohle des Volkes verbrennt, mag ihm der Gedanke durch den Kopf gehen, dass dieses Feuer wie ein Scheiterhaufen brennt. Die Lage ist ernst …

Leo X. exkommuniziert Luther

Am 3. Januar 1521 wird sie sehr ernst: Der Heilige Vater spricht den Bannfluch über ihn aus! Mit dem 'Decet Romanum Pontificet' ist Luther exkommuniziert. Der  Kirchenbann ist eine Entscheidung über Leben und Tod. Luther weiß: Soll für ihn eine Aussicht bestehen, gegen die Macht der Kirche anzukommen, dann muss er die weltliche Herrschaft für sich gewinnen.

Luther kämpft um sein Leben

Die Chancen für ihn sind umso günstiger, je stärker er die Öffentlichkeit mobilisiert, je grundsätzlicher er seine Angriffe führt, je mehr außerreligiöse, politische Gesichtspunkte er aufgreift. Der päpstliche Legat Aleander hat Rom bereits gewarnt:  " … schon neun von zehn Katholiken sind lutherisch gesinnt!" Viele deutsche Fürsten liebäugeln mit der neuen Lehre, denn sie schwächt Roms Dominanz und die des römisch-deutschen Kaisers auch. Karl V. ruft Luther im April 1521 vor den Reichstag nach Worms. Vor dem Kaiser spricht er seine Worte: "Got kumm mir zuhülf. Amen. Da bin ich."

Der Kaiser bleibt auf Roms Linie

Das oft zitierte Lutherwort 'Hier stehe ich, ich kann nicht anders' findet sich in dieser Form erst auf einem Holzschnitt aus dem Jahre 1557. Luther ist da bereits elf Jahre tot …Auf dem Reichstag schlägt sich der Kaiser auf die Seite Roms. Im Wormser Edikt verhängt er am 8. Mai 1521 die Reichsacht über Luther. Doch der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, bringt ihn auf der Wartburg in Sicherheit. Getarnt als 'Junker Jörg' übersetzt Luther dort die Bibel und schafft die deutsche Sprache. Die übrige Geschichte kennt jeder.

Die Politik zieht im Hintergrund die Fäden

Heute wissen wir: Der Kaiser führt Krieg gegen Frankreich. Er hat keine Zeit für die deutschen Probleme. In Geheimverhandlungen willigt er ein, dass dem sächsischen Hof das Edikt nicht offiziell zugestellt wird. Und Rom? Leo X soll die Bulle nebenbei unterzeichnet haben. Kirchenhistoriker glauben heute, dass sie auf das Insistieren Giulio de Medicis zurückgeht. Er ist Leos Vetter und besteigt später als Clemens VII. den Papstthron …

Ein Reformator wider Willen?

Der Kirchenhistoriker Georg Schwaiger bezeichnet das Pontifikat Leos X in dem 'Lexikon für Theologie und Kirche': " … als eines der verhängnisvollsten der Kirchengeschichte". Luther selbst sagt später über seinen Thesenanschlag: "Da ich die Sache wider den Ablass anfing, war ich noch so voll und trunken, ja so ersoffen in des Papstes Lehre, dass ich vor großem Eifer wäre bereit gewesen, dass ermordet worden wären alle die, so dem Papste nicht hätten wollen gehorsam sein."

Moderation: Edgar Schnicke