08.07.2013 - 09:20

Das Rätsel um sein Patronat Winzerschutzherr Kilian

Wein ist eine feine Sache, sehr geliebt von empfindsamen Gaumen und lustigen Zechern. Aber Wein steht auch jeden Sonntag auf dem Altar zur Wandlung bereit. Gleichnisse vom Weinberg durchziehen die Bibel, immer mit dem Hinweis auf die Kostbarkeit von Traube und Wein. Einen Patron/Heiligen hat der Wein auch, der kommt aus dem Norden.

 

Er ist sicherlich nicht aus einer Weingegend gekommen, er war außerhalb des römischen Einflusses, der ja den Weinbau doch sehr weit nach Norden vorgetragen hat – der Heilige Kilian.

Irland ist zwar bekannt für seine grünen Wiesen, aber Weinbau hat es hoch oben im Norden sicher auch nicht zu Zeiten des Heiligen Kilian gegeben, das schließt Prof. Klaus Wahl eindeutig aus. Ansonsten ist es auch für den fränkischen Weinfachmann schwierig, historisch genau zu begründen, woher eigentlich die Verbindung von Kilian und Wein kommt. Er müsste es wissen, war er doch Leiter der Abteilung Weinbau der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim.

"Historisch sind die Fakten dünn. Man muss es sich vielleicht so vorstellen: er kommt zu einer Zeit nach Franken als irischer Mönch, um das Christentum zu bringen und es gibt noch keinen Wein. Für die Liturgie braucht man Wein, also gehen wir zunächst mal davon aus, er hat ihn mitgebracht, in Schläuchen, in Tierschläuchen, vermutet man."

Woher er diesen Wein hatte, darüber kann auch nur spekuliert werden. Was aber historisch eindeutig nachgewiesen werden kann, ist die erste urkundliche Erwähnung von Weinbau in Franken und die stammt aus dem Jahr 777 in Hammelburg und 779 in Würzburg. Knapp hundert Jahre nach Kilians angeblichem Tod im Jahr 689.

"Jetzt zu glauben er hätte die Reben mitgebracht, das ist, glaub ich, sehr kühn oder ist einfach nicht haltbar, aber den Anstoß und den Beginn des Christentums auch mit Messfeiern bedeutet: wir brauchen Wein. Also, ist naheliegend, dass in der Folge seiner Tätigkeit der Weinbau eine Rolle spielen könnte."

Eine ganz schlüssige Erklärung findet Klaus Wahl auch für die enge Verbindung von den Winzern zum irischen Mönch der am 8. Juli seinen Gedenktag hat:

"Jetzt, wie wird er dann aber zum Winzerpatron? Der Tag des Heiligen Kilian ist der 8. Juli und das ist vielleicht der konkreteste Hinweis auf diesen Bezug zum Weinbau, weil das ein entscheidender Endpunkt der Blüte der Reben ist. Blütezeit bei Reben war schon immer eine Risikophase für die fränkischen Winzer oder für Winzer überhaupt und insofern war es natürlich schon besonders naheliegend so einen Heiligen dann in dem Zusammenhang mit Rebvegetation, einfach mit einer besonderen Rolle auszustatten."

Klaus Wahl, bekannt durch zahlreiche Vorträge und Vorlesungen über fränkischen Wein auch im Ausland, hat in seinen vielen Weinbüchern allerdings nur wenig über Bräuche oder spezifische Traditionen gefunden:

"Also, es gab bei dem Fest des Heiligen immer, auch in früherer Zeit, einen kostenlosen Weinausschank, was ja für die damalige Zeit und die Menschen schon nicht unwesentlich war und dann diese Kreuzbergwallfahrt, wo beim Auswallen, also beim Beginn, der Anführer des Wallfahrtszuges seinen Stab mit Reblaub schmückt und dabei in Verbindung mit Kilian das Ganze zu sehen ist."

Die musikalische Verewigung des Winzerschutzherrn Kilian darf natürlich nicht vergessen werden. Joseph Victor von Scheffel lässt 1859 den irischen Mönch in der 2. Strophe seines Frankenliedes auftauchen

"Ja, wahrscheinlich hat er sich einfach auf die enge Beziehung zwischen Heiligem Kilian und den Winzern bezogen. Ich glaube nicht, dass er da groß nachgeforscht hat, sondern es war für ihn eine Selbstverständlichkeit."

Die Winzer selbst scheinen ihren Schutzherrn nicht mehr allzu wichtig zu nehmen und schöpfen bei der Namensgebung für ihre Weinlagen lieber aus anderen Quellen:

"Also, es gibt aber leider in Franken ja nur noch einen, den Groß-Langheimer-Kiliansberg, früher gab's also bestimt 5, 6 Kilianslagen, die aber im Rahmen der Bereinigung 1971 alle weggefallen sind."