Trikolore
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04.08.2017 - 09:20

Befreiung der Landbevölkerung Abschaffung des Feudalsystems in Frankreich

Frankreich 4. August 1789. Die französische Nationalversammlung beschließt die Abschaffung des Feudalsystems und ändert damit die Gesellschaftsordnung grundlegend.

Die rechtlichen Beziehungen zwischen den drei Ständen, Klerus, Adel und dritter Stand bestehen nicht mehr so, wie sie bisher bestanden haben.

Ziele der Revolutionäre

Zu diesem Zeitpunkt geht es den Revolutionären um die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie.

Die Gründung einer Republik, wie es später der Fall ist, ist Anfang August 1789 noch gar nicht das Ziel.

Ludwig der XVI. ist noch im Amt, der dritte Stand der noch gegen die Obrigkeit aufbegehrt, will vor allem eins: die Gleichstellung mit Adel und Klerus.

Abbe Sieyes und der Dritte Stand

Emmanuel Joseph Sieyes, besser bekannt als Abbe Sieyes schreibt in seiner Schrift "Was ist der dritte Stand", der dritte Stand sei aufgrund seiner Bedeutung alleine dazu berechtigt den Willen der Nation zu vertreten und eine Nationalversammlung zu bilden. Weiter schreibt er:

1789 gehören zum ersten und zweiten Stand, also Klerus und Adel, weniger als 2% der Bevölkerung. Dennoch gehören ihnen 40% des Bodens und sie sind von der Steuerpflicht befreit.

Adlige können unentgeltliche Arbeitsleistungen, Frondienste von den Bauern verlangen und haben alleiniges Jagdrecht. Die Kirchen erhalten als Steuer 10% der Ernte, den sogenannten Kirchenzehnten.

Die überwiegende Mehrheit, 98% der Bevölkerung, gehören zum dritten Stand, arme Landarbeiter ebenso wie bürgerliche Großgrundbesitzer. Vor allem der armen Landbevölkerung geht es sehr schlecht, miese Ernten im Jahr 1788 lassen ihre Lage prekärer werden und so kommt die Revolution von der Stadt, in der am 14. Juli die Bastille gestürmt wurde, nun auch aufs Land.

Die "Grand Peur"

Plünderungen und Angriffe auf reiche Bauern gibt es überall, Ziel der Überfälle ist es vor allem die Archive in Brand zu setzen um alte Urkunden mit Herrenrechten des Adels zu vernichten und die bestehende Feudalordnung so außer Kraft zu setzen.

Nationalversammlung zerbricht das Feudalregime vollständig

Eigentlich soll an diesem 4. August 1789 in der Nationalversammlung über eine neue Verfassung beraten werden, nun steht die Krisensituation im Vordergrund.

Bis zum nächsten Morgen dauert die Sitzung an, von einem eindrucksvollen von patriotischem Überschwang getragenen Akt ist die Rede.

Sogar fortschrittliche Vertreter der beiden ersten Stände stimmen in der Sitzung für Neuerungen.

Soziale Revolution wird zur politischen Revolution

Die Abgeordneten zerschlagen die rechtlichen Bedingungen der Sozialordnung, es geht ihnen um eine neue Gesellschaftsordnung, die auf individueller Freiheit und rechtlicher Gleichheit der Individuen beruht.

Basis der neuen Ordnung soll das Privateigentum und die Freiheit des Handelns sein.

Neugeregelt werden dazu die Grundherrliche Gerichtsbarkeit und der Zugang zu öffentlichen Ämtern.

Dazu kommt die Abschaffung des Kirchenzehnten und vieler weiterer Vorrechte wie Steuerbefreiungen für den Adel.

Mit dem 4. August 1789 endet das Feudalsystem, das über 1.000 Jahre die Rechtsbeziehungen geregelt hat.