Paul VI.
Paul VI.

26.03.2018 - 09:20

Anstoß zur christlichen Entwicklungspolitik Enzyklika Populorum Progressio

Es war ein eindringlicher Appell an alle Industrienationen - den armen Ländern der Welt zu helfen. Am 26. März 1967 - damals zum Osterfest - veröffentlichte Papst Paul VI. seine Sozialenzyklika mit dem Titel "Populorum progressio", was soviel heißt wie: "Über den Fortschritt der Völker".

Für große Aufregung sorgte die darin enthaltene Feststellung, dass "Privateigentum für niemand ein unbedingtes und unumschränktes Recht" sei.

Päpstlichen Kritik am wirtschaftlichen Liberalismus

Es entbrannte ein Mediensturm.

Schon in seiner Funktion als Erzbischof von Mailand, hatte sich Paul VI. intensiv mit sozialen Problemen auseinandergesetzt. Das führte er nach seiner Wahl zum Papst 1963 fort.

In seinem sozialen Engagement folgte Papst Paul VI. mit der Lehrschrift "Populorum progressio" den Sozialenzykliken seines Vorgängerpapstes Johannes XXIII von 1961 und 1963.

Im Mittelpunkt von "Populorum progressio" ...

... steht die Bestimmung der Erdengüter für alle Menschen und alle Nationen.

"Das Privateigentum ist für niemand ein unbedingtes und unumschränktes Recht. Niemand ist befugt, seinen Überfluss ausschließlich sich selbst vorzubehalten, wo anderen das Notwendigste fehlt.", erklärt Paul VI. darin.

Der Papst beschränkt sich in "Populorum progressio" nicht auf die Verkündigung allgemeiner sozialethischer Prinzipien: Er verlangt tiefgreifende Reformen, die die Diskrepanz zwischen Entwicklungsländern und armen Ländern beheben.

Wettrüsten am Pranger

Paul VI. nennt es in der Enzyklika "unerträgliches Ärgernis" und kritisiert Kernsätze des Kapitalismus wonach:

"Profit der eigentliche Motor des wirtschaftlichen Fortschritts, der Wettbewerb das oberste Gesetz der Wirtschaft, das Eigentum an Produktionsmitteln ein absolutes Recht darstellt".

Papst Paul VI. setzt Markwirtschaft Bedingungen

"Der freie Austausch von Gütern ist nur dann recht und billig, wenn er mit den Forderungen der sozialen Gerechtigkeit übereinstimmt."

Diese Kritik am ungehemmten Wirtschaftsliberalismus machte ihn zum Hoffnungsträger für die Armen und brachte ihm zugleich auch aus den Reihen liberaler und konservativer Politiker sowie Parteien viel Kritik ein.

Konsequenzen im Vatikan

Der Papst machte mit seiner Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Güter aber nicht vor der eigenen Tür halt: Im November 1964 veräußerte er die Tiara, die aus Gold, Silber und Edelsteinen gefertigte päpstliche Krone, zugunsten der Armen.

Mit Hinweis auf das Vorbild eines chilenischen Bischofs forderte er seine Amtsbrüder dazu auf, ebenfalls einen Teil ihres persönlichen Vermögens den Armen zu schenken.

Beginn der katholischen internationalen Entwicklungspolitik

Mit seiner Botschaft legte Papst Paul VI. damals die Grundlage für eine christliche Theorie der internationalen Entwicklungspolitik.

So gab diese Enzyklika zum Beispiel für das deutsche Kolpingwerk den Anstoß, sich international zu engagieren. Heute gibt es das Internationale Kolpingwerk, das in über 60 Staaten der Welt zuhause ist und dort den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe leistet.