United Nations Emblem der Vereinten Nationen am Eingang zum Hauptquartier der UNO am Platz der Nationen in Genf
United Nations Emblem der Vereinten Nationen am Eingang zum Hauptquartier der UNO am Platz der Nationen in Genf

24.10.2018 - 07:14

Am 24.10. 1945 trat die UN-Charta in Kraft Happy Birthday, Vereinte Nationen

Es geht um nichts Geringeres als den Weltfrieden. Der ist am 24. Oktober 1945 frisch und fragil, als 50 Länder die Charta der Vereinten Nationen ratifizieren. Mittlerweile sind fast alle Nationen der Welt der UNO beigetreten. Der Vatikan aber nicht.

"Wir, die Völker der Vereinten Nationen, fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht haben, [...] haben beschlossen, in unserem Bemühen um die Erreichung dieser Ziele zusammenzuwirken."

Das sind die ersten Worte der Charta der Vereinten Nationen, dem Gründungsdokument der UNO. Am 24. Oktober 1945 unterzeichnen 50 Staaten diese Charta. Der Tag markiert die Geburtsstunde der Organisation, die zum größten Staatenzusammenschluss der Menschheitsgeschichte heranwachsen wird. Denn worauf sich im Jahr 1945 die Gründungsstaaten geeinigt haben, verbindet mittlerweile fast die ganze Welt. Nur Taiwan, Palästina, Nordzypern, (West-)Sahara, Kosovo und einige Pazifikinseln gehören nicht, noch nicht oder nicht ganz dazu.

Der Vatikan und die UNO

Auch der Heilige Stuhl ist kein Vollmitglied. Man möchte politisch neutral bleiben, heißt es vom Vatikan. Raushalten will sich die Kirche aber nicht und wird deswegen 1964, also 9 Jahre später, zum "Ständigen Beobachter". Als solcher darf sie zwar nicht bei allen Entscheidungen abstimmen, hat aber uneingeschränktes Rederecht in den Vollversammlungen. Davon machen immer wieder auch Päpste Gebrauch.

Am bekanntesten ist wohl die Rede Paul VI. im Jahr 1965: "Es genügt daran zu erinnern, wie viel Blut von Millionen Menschen, wie viele nutzlose Schlachtereien und entsetzlichen Trümmer den Pakt stützen, der Euch eint, in einem Schwur, der die zukünftige Geschichte der Menschheit verändern muss: Niemals wieder Krieg!", fordert Paul VI., ein Jahr nachdem der Heilige Stuhl Ständiger Beobachter bei der UNO geworden ist.

Von Gott abhängig sein, nicht von der UNO

In der Folgezeit hat der Vatikan zwar zahlreiche UN-Konventionen unterzeichnet, das Verhältnis ist aber nicht spannungsfrei. Das liegt zum Beispiel daran, dass die Kirche noch immer die Menschenrechtserklärung der UNO ablehnt. Argument: Sie widerspreche der kirchlichen Lehre vom Naturrecht. Das bedeutet: Die Kirche ist davon überzeugt, dass der Mensch unveräußerliche Rechte von Natur aus hat,

und nicht aufgrund von völkerrechtlichen Verträgen. Menschenrechte gehen für die Kirche auf den Gott zurück und nicht auf die UNO. Daran hat auch Papst Johannes XXIII. letztlich nicht viel ändern können, obwohl der in seiner Enzyklika "Pacem in terris" die Menschenrechtserklärung zumindest anerkennt.

"Alles gut", sagt der Vatikan

Um gute diplomatische Beziehungen ist der Vatikan dennoch bemüht – die UNO ist immerhin nicht nur der größte Völkerbund, sondern hat auch einen gewissen Einfluss. Der Internationale Gerichtshof zum Beispiel, oder der Sicherheitsrat, das Kinderhilfswerk UNICEF oder der UNHCR, das ist der Hochkommissar für Menschenrechte – gehören alle zur UNO.

In seiner Funktion als Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen betont der Diplomat Erzbischof Silvano Maria Tomasi deswegen gerne die Gemeinsamkeiten zwischen Kirche und UNO, wie hier bei einer Ansprache: "Es besteht kein Konflikt, keine Meinungsverschiedenheit zwischen der Kirche, dem Heiligen Stuhl, und den Vereinten Nationen in Sachen Menschenrechten, vor allem nicht wenn es um den Frieden und den Wohlstand für alle Menschen geht."

Deutschland tritt in den 70ern bei

So sind Vatikan und Vereinte Nationen immerhin demselben Ziel verschrieben, wenngleich die Wege dorthin sich unterscheiden mögen. An die Charta der UNO muss sich der Vatikan jedenfalls nicht halten. Der völkerrechtliche Vertrag bindet nämlich nur Vollmitglieder. 

Erst neun Jahre nachdem der Heilige Stuhl den Beobachterposten eingenommen hat, wird auch Deutschland Mitglied der Gemeinschaft, der mittlerweile mehr als 190 Länder angehören. In seiner Funktion als erster bundesdeutscher Regierungschef nennt Willy Brandt die Vereinten Nationen ein “Geschenk an die Welt” und erklärt: "Die Fähigkeit des Menschen zur Vernunft hat die Vereinten Nationen möglich gemacht. Der Hang des Menschen zur Unvernunft macht sie notwendig."

Gegründet, um vor der Hölle zu bewahren

Trotz dieser Notwendigkeit wird die UNO oft als "zahnloser Tiger" bezeichnet. Es gibt keine "Weltpolizei", die die Einhaltung der UNO-Vorgaben überwacht, die meisten Resolutionen sind nicht verbindlich und wer sich nicht an die Charta oder andere Konventionen hält, muss im schlimmsten Fall mit einer Rüge oder eine Geldstrafe rechnen.

Auf diese Unverbindlichkeit der Weltorganisation weist bereits im August 1945, also vor Inkrafttreten der Charta, Sir Winston Churchill hin, zu der Zeit britischer Premierminister. Er kann der UNO dennoch einen gewissen Wert abringen: "Die UNO wurde nicht gegründet, um uns in den Himmel zu bringen, sondern um uns vor der Hölle zu bewahren."

Was sind Erfolge der UNO?

Die Hölle ist aber da, trotz UNO. Völkermord in Ruanda, Kriegsverbrechen in den Jugoslawienkriegen oder Menschenrechtsverletzungen im Mittleren Osten geschehen vor den Augen der Weltorganisation, werfen Kritiker ihr vor. Die UNO könne aber auch nicht viel mehr machen, denn Frieden ist keine Pflicht, verteidigen Befürworter die Organisation.

Papst Franziskus spricht dagegen angesichts der auf viele Länder zerstreuten Konflikte schon längst von einem "dritten Weltkrieg", während Wissenschaftler bemerken: Die Welt sei noch nie so friedlich gewesen wie jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Tatsächlich: Seit 1945 hat es keinen Weltkrieg mehr gegeben, zumindest nicht offiziell. Vielleicht ist das eine Frage der Definition und westlicher Wahrnehmung, vielleicht liegt darin aber auch ein Teilerfolg der Vereinten Nationen.

(DR)