01.09.2018 - 00:00

Alle Wetter! 1. September-Woche: Heller Aegidius und Birnen zu Mariä Geburt

In einer kleinen Reihe beleuchtet "Wetterprophet" Bernhard Michels altes Wetterwissen und Bauernregeln. Ist der Erste hübsch und rein, wird’s der ganze Monat sein!“

"Der 1. September ist der Ägidiustag. Ein wichtiger ‚Lostag‘", entschlüsselt Bernhard Michels das Sprichwort und weiter: "Das heißt, das ist ein Tag, an dem man früher das Wetter für die darauffolgende Zeit ablesen konnte. Denn so wie das Wetter um den 1. September ist, so wird es auch in der nächsten Zeit bleiben. Ist der Monatswechsel warm und trocken, so wird das in vier bis fünf Jahren auch vorerst so bleiben. An der Regel ist immer noch etwas dran."

Wetterphänomene Wissenschaft und Bauernregeln

Wetterkapriolen narren selbst Wissenschaftler: Vorhersagen Tiefdruck- und Hochdruckgebiete ankündigen und großflächig Regengebiete oder wolkenlosen Himmel abbilden. Ob der Schauer dann wirklich im eigenen Garten runterkommt oder nicht, also lokale Wetterphänomene, kann man meistens nicht ablesen. Jedenfalls nicht am Wetterbericht.

Wie das Wetter im eigenen Umfeld wird, haben Bauern seit Jahrhunderten nicht nur beobachtet, sondern sie haben Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge mit Hilfe von Bauernregeln festgehalten und weitergegeben. Immer wieder werden von "Wetterpropheten" neue Zusammenhänge erkannt und gedeutet. Königskerze, Weinrebe oder Ameisenhügel – Wetterpropheten wagen anhand der ungewöhnlichsten Phänomene Vorhersagen.

Lostage der 1. September-Woche

Im bäuerlichen Arbeitsjahr brachte man im September das zweite Heu – auch Emd genannt – in die Scheunen. Auf dem Feld wurde der Winterroggen angebaut.  
Im Laufe der Zeit haben sich Volksglaube, Wetterbeobachtungen und Wissen über die Natur zu Bauernregeln verwoben und mit bestimmten Tagen verbunden, den Lostagen. Von diesen sind die meisten Heiligengedenktage. Hier drei aus dieser Woche:

1. September: hl. Aegidius
Aegidius (Ägidius, Gil, Til) (7. Jh.–720) wurde vermutlich in Athen geboren und kam als Pilger in die Gegend von Arles (Frankreich). Die Legende berichtet, dass er dort als Einsiedler lebte und von einer Hirschkuh mit deren Milch versorgt wurde. Der König wollte diese erjagen, sein Pfeil traf aber Ägidius. Als Sühne erbaute er ihm an dieser Stelle ein Kloster. Aegidius ist einer der Vierzehn Nothelfer und Patron der stillenden Mütter, Hirten, Jäger, Schiffbrüchigen, Bogenschützen, Bettler und Aussätzigen, des Holzes, des Waldes und des Viehs, bei Feuer, Dürre, Sturm und Unglück, bei der Beichte; in geistiger Not und Verlassenheit sowie gegen Fallsucht (Epilepsie), Lähmungen, Lepra, Pest, Ohrenleiden, Geisteskrankheiten, Unfruchtbarkeit von Mensch und Tier.

Ist Ägidi ein heller Tag,
ich dir schönen Herbst ansag‘.

Wenn St. Aegidius bläst in sein Horn,
so heißt es: Bauer, säe dein Korn!

 

4. September: hl. Rosalia
Rosalia (auch Rusalia) (um 1130–1170) stammte aus Palermo, war am Königshof und wurde Nonne, um diesem zu entfliehen. Später zog sie sich als Einsiedlerin in eine Grotte in der Nähe von Palermo zurück. Sie ist Patronin gegen die Pest und wurde als solche bekannt und verehrt.

Zu Sankt Veit [15. 6.]
geht’s auf die Weid‘,
Sankt Rosal‘
treibt’s Vieh ins Tal.

 

8. September: Mariä Geburt

Die Ostkirche kannte schon im 6. Jh. dieses Fest, im Westen wurde es durch Papst Sergius I. (687–701) eingeführt. Im 10./11. Jh. breitete sich das Fest in der gesamten Kirche aus.

Mariä Geburt
bringt d’Birn in d’Hurd.

Mariä Geburt
jagt d’Schwalben furt;
bleiben sie da,
ist der Winter nicht nah.

 

(Zitate sind Auszug aus: Kurt Haberstich / Gerhard Hartmann, Wie Heilige unser Wetter bestimmen, topos premium Verlag / 20.60 €)