Heiliger Hubertus mit Hirsch
Heiliger Hubertus mit Hirsch
Bernhard Michels
Bernhard Michels

01.11.2018 - 00:00

Alle Wetter! 1. November-Woche: Heilige – Seelen und Hirsch mit leuchtendem Geweihkreuz

"An Allerheiligen geh in den Wald, nimm von der Birke einen Span und, da siehst du es ihm gleich an, ob der Winter warm wird oder kalt".

In einer kleinen Reihe beleuchtet "Wetterprophet" Bernhard Michels altes Wetterwissen und Bauernregeln. Ist etwas dran an dieser Weisheit zum 1.11. – Allerheiligen?

"Das ist eine uralte Regel, die stimmt. Unserer Vorfahren waren darauf angewiesen zu wissen, wie der Winter wird", erklärt der Wetterbeobachter.

"Sie sind in den Wald oder in den eigenen Garten gegangen, haben von der Birke etwas abgebrochen und getestet, ob der Span noch nass war, oder schon richtig trocken, und daran konnten die das Wetter ableiten. Ist der Birkenspan nämlich trocken, soll man im Winter hinter dem Ofen hocken. Ist der Span nass und nicht leicht, so wird der Winter statt kalt mild und feucht. Mit Hilfe dieser einfachen Regel, kann sich jeder selbst als Wetterprophet versuchen", so Michels.

Wetterphänomene Wissenschaft und Bauernregeln

Wetterkapriolen narren selbst Wissenschaftler: Vorhersagen Tiefdruck- und Hochdruckgebiete ankündigen und großflächig Regengebiete oder wolkenlosen Himmel abbilden. Ob der Schauer dann wirklich im eigenen Garten runterkommt oder nicht, also lokale Wetterphänomene, kann man meistens nicht ablesen. Jedenfalls nicht am Wetterbericht.

Wie das Wetter im eigenen Umfeld wird, haben Bauern seit Jahrhunderten nicht nur beobachtet, sondern sie haben Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge mit Hilfe von Bauernregeln festgehalten und weitergegeben. Immer wieder werden von "Wetterpropheten" neue Zusammenhänge erkannt und gedeutet. Königskerze, Weinrebe oder Ameisenhügel – Wetterpropheten wagen anhand der ungewöhnlichsten Phänomene Vorhersagen.

Lostage der 1. November-Woche

November der elfte Monat im Jahr mit 30 Tagen, war nach dem Römischen Kalender der neunte Monat, dessen Namen sich von lat. novem (neun) ableitet. Im bäuerlichen Arbeitsjahr brachte man im November den restlichen Dünger auf die Wiesen und verteilte ihn dort. Im Laufe der Zeit haben sich Volksglaube, Wetterbeobachtungen und Wissen über die Natur zu Bauernregeln verwoben und mit bestimmten Tagen verbunden, den Lostagen. Von diesen sind die meisten Heiligengedenktage. Hier drei aus dieser Woche:

1. November: Allerheiligen

Am Beginn des „dunklen“ Monats November, der sehr stark vom Totengedenken geprägt ist, feiert die Kirche das Hochfest Allerheiligen, das im Osten bereits im 4. Jahrhundert nachweisbar ist. Im Westen gedachte man am 13. Mai der Märtyrer. Seit dem 8. Jahrhundert feierte man in Irland und England den 1. November als Fest aller Heiligen. Vom 9. Jahrhundert an setzte sich der Allerheiligentag auch auf dem Festland durch.

 

Allerheiligenreif
macht zu Weihnachten alles starr und steif.
 

Hat Allerheiligen Sonnenschein,
wird Martin umso kälter sein.

 

2. November: Allerseelen

Schon seit dem 2. Jahrhundert ist das christliche Gedenken der Toten bezeugt. Der Allerseelentag als Gedenktag für alle Verstorbenen entstand im Jahr 998 in der Abtei von Cluny und breitete sich seit dem 11. Jahrhundert bald in der ganzen Kirche des Abendlandes aus.

 

Haben die Armen Seelen kalt,
wintert es recht bald.
 

Der Allerseelentag
drei Tropfen Regen mag.

 

3. November: hl. Hubertus

Hubert (655–727) wurde 705 der Nachfolger des hl. Lambert als Bischof von Tongern-Maastricht. 715 verlegte er den Bischofssitz nach Lüttich. Auf ihn wurde die ursprünglich dem hl. Eustachius zugeschriebene Legende von der Erscheinung eines Hirsches mit einem leuchtenden Kreuz im Geweih übertragen. Er ist Patron der Jäger, Forstleute, Schützen, Kürschner, Gießer, Metallarbeiter, Drechsler, Metzger und Optiker, Fabrikanten mathematischer Geräte, Mathematiker, Schellenmacher, der Jagdhunde und Schützengilden, gegen Schlaflosigkeit, Tollwut der Hunde, Hunde- und Schlangenbiss, Fieber, Krämpfe, Wundrose, Zahnschmerzen, Kopfweh, Mondsucht und Viehkrankheiten sowie bei Wasserscheu.

 

Bringt St. Hubertus Schnee und Eis,
bleibt’s den ganzen Winter weiß.

 

Wie Hubertus kommt,
es den Jäger frommt.

 

 

(Zitate sind Auszug aus: Kurt Haberstich / Gerhard Hartmann, Wie Heilige unser Wetter bestimmen, topos premium Verlag / 20.60 €)