Kirchenkritiker Eugen Drewermann

Eugen Drewermann / © Jens Kalaene (dpa)

Drewermann studierte katholische Theologie in Paderborn, Philosophie in Münster und Psychoanalyse in Göttingen. 1966 wurde er zum Priester geweiht. Ab 1972 war er Studentenseelsorger in Paderborn und ab 1974 als Subsidiar in der Gemeinde St. Georg tätig. Von 1979 bis 1991 lehrte Drewermann als Privatdozent für systematische Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn.

Der Konflikt zwischen Drewermann und der Kirche schwelte schon seit den 1980er Jahren. Nach Ansicht der katholischen Bischöfe leugnete der Paderborner Theologe entscheidende Wahrheiten des christlichen Glaubens, etwa die Jungfrauengeburt oder dass Jesus die Sakramente in der von der Kirche verkündeten Form eingesetzt habe.

Drewermann seinerseits wirft der Kirche vor, sie sei in dogmatischen Formeln erstarrt. Die Institution verdecke die heilende Botschaft des Evangeliums und schreibe den Gläubigen eine lebensfremde Moral vor. Heftige Debatten löste Drewermann auch mit seinem 1989 erschienenen Buch "Kleriker" aus, in dem er "ekklesiogene Neurosen" des Priester- und Mönchsstandes aufzudecken versuchte.

1991 entzog der damalige Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt dem früheren Studentenseelsorger in der Pader-Stadt nach zwölfjähriger Lehrtätigkeit die Lehrerlaubnis. 1992 erhielt Drewermann zunächst ein Predigtverbot, wenig später wurde er vom Priesteramt suspendiert.