24.01.2006

Nachrichtenarchiv 25.01.2006 00:00 Papst-Enzyklika: Gottesliebe und Liebe zum Nächsten untrennbar

Papst Benedikt XVI. hat seine mit Spannung erwartete erste Enzyklika unter dem Titel "Deus caritas est" (Gott ist die Liebe) veröffentlicht. Liebe sei die zentrale Dimension des Christentums; Gottesliebe und die Liebe zum Nächsten gehörten untrennbar zusammen, betont das Kirchenoberhaupt in dem am Mittwoch im Vatikan vorgelegten Lehrschreiben. Die Kirche dürfe auf Caritas und auf ihren konkreten Dienst für Menschen in Not ebenso wenig verzichten wie auf die Verkündigung des Evangeliums oder die Spende der Sakramente. ----Allerdings verlangt kirchliche Hilfsarbeit nach den Worten Benedikt XVI. ein klares, vom Glauben geprägtes Profil, das sie von anderen Wohlfahrtsaktivitäten unterscheidet. Gerade in einer Welt, in der Gott und Religion mitunter für Rache, Hass oder Gewalt missbraucht würden, habe die christliche Botschaft der Liebe hohe Aktualität und praktische Bedeutung. Das 78-seitige Dokument besteht aus einem philosophisch-theologischen Teil und aus konkreten Folgerungen zum Gebot der Nächstenliebe.---- Der Papst verweist auf die verschiedenen Dimensionen von Liebe, die letztlich aber "eine einzige Wirklichkeit" bildeten. Zwischen der Liebe Gottes und der menschlichen Liebe, zwischen schenkender und begehrender Liebe und zwischen Geist und Leib bestehe eine innere Einheit. Wenn jedoch der Eros als Liebe von Mann und Frau zu purem Sex degradiert werde, werde er zu einer Ware, zur bloßen "Sache", die man kaufen und verkaufen könne.----Im biblisch-christlichen Verständnis gehörten Eros und Ehe zusammen, betonte Benedikt XVI. Ausdrücklich verteidigt er das Christentum gegen den Vorwurf der Leibfeindlichkeit. Freilich sei auch die heute oft propagierte "Verherrlichung des Leibes"trügerisch.---- Ausführlich befasst sich die Enzyklika mit der christlichen Nächstenliebe (lateinisch caritas). Die in der Gottesliebe verankerte Liebe zum Nächsten sei zunächst ein Auftrag an den einzelnen Gläubigen, betreffe aber die ganze kirchliche Gemeinschaft, führt der Papst aus. Die Kirche sei "Gottes Familie in der Welt". In dieser Familie dürfe es keine Notleidenden geben. ---Zugleich reicht die Caritas nach den Worten Benedikt XVI. über die Grenzen der Kirche hinaus. Ausdrücklich verteidigt er die christliche Wohlfahrtstätigkeit gegen den Vorwurf, sie beruhige mit Almosen nur das eigene Gewissen, zementiere aber Ungerechtigkeit. Natürlich müsse das Ziel ein gerechtes Gemeinwesen sein. Die gerechte Ordnung der Gesellschaft sei allerdings Sache des Staates, dessen Autonomie die Kirche respektiere.---- Als Aufgabe der katholischen Laien sieht der Papst, sich dabei unmittelbar zu engagieren. Die Kirche selbst habe mittelbar die Pflicht, Vernunft und ethische Richtlinien einzubringen, "damit die Ansprüche der Gerechtigkeit einsichtig und politisch durchsetzbar werden". Mit Nachdruck empfiehlt das Kirchenoberhaupt die katholische Soziallehre, die von der Vernunft