25.09.2005

Nachrichtenarchiv 26.09.2005 00:00 Papst Benedikt XVI. empfängt Theologen Hans Küng

Papst Benedikt XVI. hat überraschend den prominenten «Vatikankritiker» Hans Küng empfangen. Das Treffen habe bereits am Samstag stattgefunden, teilte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls in Rom mit. Das Gespräch sei "in freundschaftlicher Atmosphäre" verlaufen, allerdings habe man keinerlei Glaubensfragen angesprochen. "Beide Seiten waren sich einig, dass es nicht sinnvoll sei, im Rahmen dieser Begegnung in einen Disput über die Lehrfragen einzutreten, die zwischen Hans Küng und dem Lehramt der katholischen Kirche bestehen." Das Gespräch konzentrierte sich deshalb auf zwei Bereiche, die besonders in jüngerer Zeit im Vordergrund der Arbeit von Hans Küng stehen: die Frage des Weltethos und der Dialog der Vernunft der Naturwissenschaften mit der Vernunft des christlichen Glaubens. Dem Theologen Küng war 1979 von Papst Johannes Paul II. die Lehrerlaubnis entzogen worden. Küng hat in seinen Publikationen unter anderem die zum Dogma erhobenen Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen kritisiert. Der Vatikansprecher betonte den persönlichen Charakter des Treffens der beiden Theologen, die sich bereits aus der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils kennen. Der Schweizer Kirchenkritiker Küng (77) hatte sich im April enttäuscht über die Wahl des früheren Kardinals Joseph Ratzinger (78) zum Papst geäußert.