14.06.2005

Nachrichtenarchiv 15.06.2005 00:00 Widerstand gegen Kanzlervorstoß bei Stammzellforschung

Der Vorstoß von Bundeskanzler Schröder zur Lockerung des Embryonenschutzes bei der Stammzellforschung ist bei den Kirchen und Grünen auf Ablehnung gestoßen. Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Fürst, ehemaliges Mitglied der Ethik-Kommission des deutschen Bundestages, begründete diese Position der Kirchen im domradio: "Der Status des Embryo ist von Anfang an ein Mensch im Werden. Und das ist ein Höchstwert, dem auch wissenschaftliche Untersuchungen und Forschungsinteressen nicht vorangestellt werden dürfen." Dem Argument, dass mit Hilfe der Stammzellenforschung auch unheilbare Krankheiten wie Alzheimer besiegt werden könnten, begegnete der Bischof: "Leben gegen Leben ist nur abzuwägen in extremen Notfallsituationen, wo ich eine Bedrohung erfahre, der ich mich nur erwehren kann, indem ich dem anderen das Leben nehme. Diese Bedrohung ist bei der Stammzellenforschung, bei der Abtötung von Embryonen, überhaupt nicht gegeben. Der Mensch ist als Mensch ein Selbstzweck, ist von Anfang an mit Menschenwürde und Personalität ausgestattet, und da gilt das Tötungsverbot." Schröder hatte seinen Vorstoß zur Stammzellenforschung damit begründet, dass die deutsche Wissenschaft sonst den Anschluss an die Weltspitze verliere. ----- Auch die Grünen gehen zum Kanzlervorstoss auf Distanz. Die Grünen-Politikerin Nickels sagte, Schröders Forderung, das Stammzellen-Gesetz zu ändern, sei ein Affront. Damit treibe Schröder einen Keil in die Koalition.