Burkhard Hose

Pfr. Burkhard Hose / © Pat Christ
Pfr. Burkhard Hose / © Pat Christ

Burkhard Hose hat einen engen Terminkalender: Junge Studierende fragen ihn an, ob er ihnen in Prozessen zur Seite steht, Medien wollen mit ihm über seinen offenen Brief an Markus Söder sprechen, er ist ein gefragter Redner und weicht Einladungen zu Podien nicht aus. Dennoch reist er eigens aus Würzburg für diese Sendung nach Köln. Mich interessiert zuerst, warum er das eigentlich will, das Verhältnis von Politik und Christentum grundsätzlich denken?
 

Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach
„Was im Augenblick passiert, ist eine Enteignung des Christentums“ nennt Burkhard Hose seinen wichtigsten Beweggrund. Das Kreuz werde, z.B. vom bayerischen Ministerpräsident Markus Söder hergenommen für eine politische Aussage. „Und es wird nicht gefragt, wofür das Kreuz denn im Christentum steht.“ Das Kreuz, das Symbol für Erlösung und für Solidarität mit den Schwächsten, werde benutzt zur Abwehr von Menschen, konkret von Muslimen. „Das ist Missbrauch“ ist Burkhard Hose überzeugt.

„Die Kirche hat einen prophetischen Auftrag“ stellt Pfarrer Burkhard Hose fest und zitiert den Propheten Hosea: „Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen. (…) Dein Harfenspiel will ich nicht hören, sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,21-24)
 

Ihr werdet Euch noch wünschen, wir wären  unpolitisch
Als Studentenpfarrer erlebt Burkhard Hose viele junge Studierende. Die sich durchaus immer wieder als „unpolitisch“ vorstellen, einfach Christen sein wollten, Gutes tun wollen, mehr nicht. „Und dann entdecken sie, dass es das gar nicht gibt, unpolitisch sein". Z.B. entdeckten sie schlicht die Bedingungen, unter denen die Menschen, denen sie helfen wollten, leben müssten und sind damit schon mitten in der Politik.

Konkret erzählt Burkhard Hose von zwei jungen Menschen, Carolin und Jonas. Carolin wollte ursprünglich Geflüchteten Deutsch unterrichten. Und überraschte ihn später, als sie bei einer Mahnwache zum Thema Abschiebung am offenen Mikrofon das Wort ergriff und so politisch wie persönlich sprach. Und Jonas überraschte alle auf einer Tagung zum Thema: "jung und politisch" in einem ergreifenden Slam vor Landespolitikern mit einem Text über alle großen Fragen unserer Zeit und der wiederholten Ansage:

"Ihr werdet Euch noch wünschen, wir wären unpolitisch."