Beate Gilles und Bischof Georg Bätzing
Beate Gilles und Bischof Georg Bätzing

16.09.2021

Premiere bei den Bischöfen - eine Vollversammlung mit Frau Hoher Erwartungsdruck lastet auch auf der Generalsekretärin

Jetzt wird es ernst für Beate Gilles. Die neue Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz steht vor gewichtigen Aufgaben. Und sie weiß, dass sie als Hoffnungsträgerin intensiv beobachtet wird.

Zu besichtigen ist eine kleine Revolution: Wenn sich die 68 Kardinäle, Bischöfe und Weihbischöfe der Deutschen Bischofskonferenz in der kommenden Woche zur Herbstvollversammlung in Fulda treffen, wird erstmals eine Frau und Nicht-Geistliche bei allen internen Beratungen im gut abgeschirmten Fuldaer Stadtschloss dabei sein.

Am 1. Juli hat Beate Gilles (51) ihr Amt als erste Generalsekretärin der Bischofskonferenz und erste Geschäftsführerin des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) angetreten – unter internationaler Beachtung. "Ich bin noch dabei anzukommen", hat sie kürzlich mit Blick auf den Start im Bonner Sekretariat der Bischofskonferenz mit seinen 180 Beschäftigten und einem Jahresbudget von 121 Millionen Euro berichtet. Antrittsbesuche bei Bischöfen, Diözesen und Verbänden, Mitarbeiter kennenlernen, Einarbeitung in die zentralen Themen, das Terrain abtasten: Noch sind die ersten 100 Tage nicht vorbei. Doch die Schonfrist endet spätestens in Fulda.

Geballte Ladung an Arbeit

Zwar hat die in Hückeswagen im Bergischen Land geborene Theologin den Konferenzvorsitzenden, Bischof Georg Bätzing, schon nach Rom begleitet. Zwar hat die 51-jährige Ausdauersportlerin schon eine Online-Konferenz der Bischöfe – den Ständigen Rat – begleitet und zusammen mit der Evangelischen Kirche den Gedenkgottesdienst für die Flutopfer in Aachen vorbereitet. Doch in diesem Herbst wartet eine geballte Ladung an Arbeit auf die neue Generalsekretärin: erst die Vollversammlung der Bischöfe und kurze Zeit später dann die zweite Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt, des mit großen Erwartungen verbundenen Reformprozesses in der Kirche in Deutschland.

Hoffnung katholischer Frauen

Gilles weiß, dass insbesondere katholische Frauen sie stark beobachten; dass sie vielleicht sogar eine Hoffnungsträgerin ist.

"Ich merke, dass da von außen mehr an mich herangetragen wird, als ich selber kann", versucht sie Erwartungen zu dämpfen. "Ich merke, dass in den Rückmeldungen viel, viel Hoffnung mitschwingt."

Die katholische Kirche in Deutschland befindet sich in einer Jahrhundertkrise. Die Reformerwartungen vieler Katholiken sind hoch, die Austrittszahlen auch. Konservative Katholiken warnen dagegen vor dem Verlust des Markenkerns. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx schrieb in einem Brief an den Papst, die Kirche befinde sich an einem toten Punkt.

Minenfeld und Männergesellschaft

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sagte, Schönheitsreparaturen reichten nicht mehr aus.

In diesem Minenfeld und mitten in dieser Männergesellschaft bewegt sich plötzlich eine Frau. Die Frage sei, ob sie "mehr Sekretärin ist oder mehr Generalin", hieß es in der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt". Gefordert sind Verhandlungsgeschick, Durchsetzungsfähigkeit und ein langer Atem. "Ich weiß schon, das wird nicht easy", hat die 51-Jährige, die unverheiratet ist, der Zeitung verraten. Und zugleich Selbstvertrauen signalisiert: "Ich kann gut in eine Spannung reingehen. Ich kann sie auch aushalten."

Plenum oder letzte Reihe?

Schon die Sitzordnung in Fulda könnte vielsagend sein. Ihr Vorgänger, der Jesuit Hans Langendörfer, saß in der streng hierarchisch geordneten Vollversammlung meist in der letzten Reihe. Ob Bischof Bätzing, der Gilles aus Limburg holte, sie als wichtigste Zuarbeiterin im Plenum der Bischöfe an seiner Seite platziert?

Gilles, die Theologie und Deutsch studierte und zuletzt seit 2010 Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie im Bistum Limburg war, hat sich bisher mit inhaltlichen Äußerungen zurückgehalten. Für sie ist allerdings klar, dass die Kirche bald Entscheidungen treffen muss.

Veränderungen dauern

Ursache der Krise seien einerseits "aktive Entscheidungen, die zum Teil schon lange zurückliegen", schrieb sie. Andererseits müsse "jetzt entschieden werden, was neu gepflanzt, was anders gemacht wird". Um diese Fragen zu beantworten, werde es "eine Zeit des Wachsens" brauchen. "Das Neue, das ersehnt wird, ist nicht einfach da", betont sie. Aus ihrer Sicht geht der Synodale Weg an die

Wurzeln: "Die Herausforderung wird dabei sein, zu prüfen, ob die Ideen für das, was neu wird, radikal genug sind, um als katholische Kirche in Deutschland für die entscheidend andere Situation zukunftsfähig zu sein."

(KNA)

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