Philippinen, Manila: Polizeibeamte mit Mundschutzstehen Wache
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Hunderte Demonstranten protestieren gegen Präsident Duterte
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01.08.2020

Katholischer Widerstand gegen Asiens neue Diktaturen "Wir alle müssen uns anstrengen"

Auf den mehrheitlich katholischen Philippinen formiert sich Widerstand gegen das Antiterrorgesetz. Kirchenführer, Akademiker, Journalisten und Bürgerrechtler befürchten eine neue Diktatur. Auch in Myanmar erhebt ein Kardinal immer Stimme.

Mit Bischof Broderick Pabillo als Apostolischem Administrator der Erzdiözese Manila an der Spitze reichten am 24. Juli 20 Religionsführer bei dem Obersten Gericht der Philippinen die 18. Klage gegen das Antiterrorismusgesetz des Landes ein. Mit von der Partie waren unter anderen der Zusammenschluss katholischer Männer- und Frauenorden "Rural Missionaries of the Philippines", die sich in den ländlichen Gebieten für die Rechte der Armen, Bauern und Ureinwohner engagieren, sowie auch die evangelische und anglikanische Kirche. In den Tagen zuvor hatten bereits Anwaltsvereinigungen, Journalistenverbände und Politiker der Opposition Klagen gegen das Antiterrorgesetz eingereicht.

In der Klage der Kirchen hieß es: "Wir alle müssen uns anstrengen, unser Land wirklich frei und demokratisch zu machen, wo jeder Einzelne Anspruch auf den vollen Schutz der Verfassung hat." Weiter führten die Kirchen aus, dass unter Präsident Rodrigo Duterte allen "Menschen, die sich sozial engagieren, vorgeworfen wird, Kommunisten zu sein".

"Red Tagging"

Diese Diffamierungskampagne gegen regierungskritische Bischöfe, Priester, Menschenrechtler, Journalisten, Oppositionspolitiker und Gegner des Drogenkriegs wird "Red Tagging" - Brandmarkung als Rote - genannt; wobei "Rote" synonym für Terroristen steht. Die Betroffenen sind Ziel von Verhaftungen, Todesdrohungen und Attentaten. Im vergangenen Jahr wurden Bischof Pablo Virgilio David sowie der Präsident der katholischen de la Salle Universität, Bruder Armin Luistro, wegen angeblicher Komplizenschaft in einem kommunistischen Umsturzversuch angeklagt. Die Anklagen wurden im Februar 2020 fallengelassen.

Die Klage der Kirchen gegen das Antiterrorgesetz ist die juristische Version des am 19. Juli veröffentlichten Hirtenbriefes der katholischen Bischofskonferenz gegen das Antiterrorgesetz als Bedrohung der Freiheitsrechte. Ausdrücklich bezogen sich die Bischöfe darin auf den kurz zuvor vom Vorsitzenden der Föderation asiatischer Bischofskonferenzen, Myanmars Kardinal Charles Bo, veröffentlichten Aufruf zum Gebet zu dem Hongkong von China aufgezwungenen Sicherheitsgesetz. "In seinem Brief erklärte er, wie dieses neue Gesetz die Grundfreiheiten und Menschenrechte der Menschen in Hongkong gefährdet und wie es insbesondere ihre Meinungsfreiheit untergräbt. Warum kommt uns Filipinos das unheimlich bekannt vor? Weil wir uns in einer ähnlichen Situation befinden", heißt es in dem Hirtenbrief.

Gegen soziale Missstände

Die Kritik katholischer Bischöfe an autoritären Regimen in Asien wird immer lauter. In Myanmar erhebt Kardinal Bo als Erzbischof von Rangun immer wieder seine Stimme gegen den anhaltenden Bürgerkrieg in seinem Land - gegen soziale Missstände, gegen die Hasspredigten extremistischer buddhistischer Mönche. In Hongkong sind der emeritierte Kardinal Joseph Zen und Weihbischof Joseph Ha Chi-shing die katholischen Wortführer der chinakritischen Demokratiebewegung. In der chinesischen Sonderverwaltungszone wird aber auch sichtbar, dass die Kirche nicht unbedingt mit einer Stimme spricht. Der als chinafreundlich geltende apostolische Administrator des Bistums Hongkong, Kardinal John Tong Hon, sieht durch das chinesische Sicherheitsgesetz keine Gefahr für die Religionsfreiheit.

Auf den Philippinen fühlen sich viele Menschen durch das vage formulierte Antiterrorgesetz an die Diktatur von Ferdinand Marcos (1917-1989) erinnert, dessen Terrorregime 1986 durch einen von dem damaligen Erzbischof von Manila, Kardinal Jaime Sin, angeführten Volksaufstand gestürzt wurde. In seiner Predigt zum 15. Todestag von Kardinal Sin sagte der Ex-CBCP-Vorsitzende Erzbischof Socrates Villegas am 21. Juni dieses Jahres: "Wir brauchen Propheten, die die Geschichte (von damals) wieder erzählen und (...) die Wahrheit verkünden, auch wenn uns das unbeliebt macht und dies Schwierigkeiten oder sogar den Tod bedeutet."

"Widerstandsnester"

Pater Jun Sescon, Sins ehemaliger Privatsekretär, betonte in einem Posting in den sozialen Medien anlässlich des 15. Todestages von Sin: "In einer Zeit, in der wir mutige, patriotische und heilige Hirten sein müssen, um gegen die Mächte der Dunkelheit und des Bösen zu kämpfen, ist dieses Gedenken eine gute Erinnerung und Chance für uns."

Die mutigen und patriotischen Hirten von heute sind Bischof Pablo Virgilio David und Bischof Pabillo. David, ein ausgewiesener Kritiker der massiven Menschenrechtsverletzung im Drogenkrieg von Präsident Duterte, ist seit dem Schlaganfall von Erzbischof Romulo Valles amtierender Vorsitzender der CBCP, während Pabillo sich während seiner Amtszeit als Leiter der Caritas einen Namen als Anwalt der Armen gemacht hat.

Ob die von den illiberalen Reformen betroffenen "Widerstandsnester", wie es der Religionssoziologe Jayeel Cornelio ausdrückt, von Kirchenführern, Medienunternehmen und Akademikern sowie der breiten Öffentlichkeit unterstützt werden, ist nach seiner Ansicht noch offen. Duterte, so der Dozent an der katholischen Ateneo Universität in Manila, sei im Volk noch immer populär. Cornelio weiß aber auch: "Letztlich zählen für die Philippiner aber die Brot-und-Butter-Themen. Jetzt, wo durch Corona viele arbeitslos geworden sind, steht die Regierung vor ihrer Bewährungsprobe."

Michael Lenz
(KNA)

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