Bundespräsident Steinmeier zum Gedenken in Fivizzano
Bundespräsident Steinmeier zum Gedenken in Fivizzano
Sergio Mattarella, Präsident von Italien
Sergio Mattarella, Präsident von Italien

25.08.2019

Steinmeier gedenkt der NS-Opfer in Italien "Nie wieder entfesselter Nationalismus"

Hunderte Menschen wurden im italienischen Fivizzano von Wehrmacht und SS ermordet. Bundespräsident Steinmeier bat auf einer Gedenkveranstaltung um Vergebung. 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einer Gedenkzeremonie für NS-Opfer in Italien vor Nationalismus gewarnt.

"Nie wieder entfesselter Nationalismus, nie wieder Krieg auf unserem Kontinent, nie wieder Rassismus, Hetze und Gewalt!", sagte er am Sonntag im toskanischen Fivizzano laut Redemanuskript. Dort hatten Wehrmacht und SS vor 75 Jahren schwere Kriegsverbrechen verübt; hunderte Menschen starben.

Gerade in Zeiten, "in denen das Gift des Nationalismus wieder einsickert in Europa", sei es wichtig, dass Europa sich der "Verführbarkeit des Menschen" bewusst sei und sich für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Menschlichkeit sowie ein vereintes Europa einsetze, so der Bundespräsident. Er gedachte der Opfer in Fivizzano gemeinsam mit Mattarella und traf Überlebende des Massakers.

Mattarella sagte, die Vergangenheit dürfe nicht in Vergessenheit geraten, um in der Zukunft ähnliche Entwicklungen zu verhindern. "Die Unmenschlichkeit, der von SS und Schwarzen Brigaden begangene skrupellose Terrorismus hat das Leben dieses Teils Italiens und der Bevölkerung auf grausame Weise gezeichnet", so der Präsident der Italienischen Republik.

Er erinnerte auch an den "Schrei der Gründerväter Europas: 'Nie wieder Krieg, nie wieder Tod'". Es gehe darum, den jungen Generationen eine friedliche Welt zu hinterlassen, "in der Hass und Abneigung verbannt werden und Dialog und gegenseitiger Respekt vorherrschen."

In Deutschland kaum bekannt

In der deutschen Erinnerungskultur ist Fivizzano kaum bekannt. Nur wenige wüssten welche "entsetzlichen Gräueltaten Deutsche hier begangen haben", sagte Steinmeier. Er bat um Vergebung für die begangenen Verbrechen und kritisierte eine schleppende Aufarbeitung der Taten in Deutschland. Zugleich dankte er dafür, dass der Ort nun Zeichen der deutsch-italienischen Versöhnung geworden sei und rief zu gemeinsamem Erinnern auf.

"Unsere Verantwortung ist es, eine gemeinsame Erinnerungskultur zu schaffen und das Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben, für eine bessere Zukunft in einem geeinten Europa", so der Bundespräsident.

Zu der Gedenkveranstaltung wurden bis zu 3.000 Bürger erwartet. Steinmeier wollte im Anschluss zurück nach Berlin reisen.

(KNA)

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