Jugendliche bei der Jugendsynode
Jugendliche bei der Jugendsynode
Vertreter aus Deutschland auf der Jugendsynode: Pater Clemens Blattert, Mitglied der Zukunftswerkstatt SJ in Frankfurt (rechts außen)
Vertreter aus Deutschland auf der Jugendsynode: Pater Clemens Blattert, Mitglied der Zukunftswerkstatt SJ in Frankfurt (rechts außen)
Bischöfe bei der Jugendsynode
Bischöfe bei der Jugendsynode

18.10.2018

Jesuitenpater erhofft sich Veränderungen durch Jugendsynode "Mehr Jugend und Frauen in der Kirche"

Es braucht mehr Beteiligung von Jugend und mehr Repräsentation der Frauen in der Kirche, das ist ein Zwischenfazit der Jugendsynode in Rom, bei der der Jesuitenpater Pater Clemens Blattert aus Frankfurt als Experte mitdiskutiert hat. 

DOMRADIO.DE: Sie kommen selber aus der Jugendarbeit in Frankfurt und betreuen da die sogenannte "Zukunftswerkstatt" der Jesuiten. Der Papst hat Sie ein paar Tage vor der Synode, also relativ kurzfristig, als Experte berufen. Was glauben Sie, warum gerade Sie? Was können Sie da beitragen?

Jesuitenpater Clemens Blattert (von Papst ernannter Experte zur Jugendsynode): Die "Zukunftswerkstatt" ist ein Ort für junge Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, wo sie Freiraum haben, aber auch bei Fragen zu ihrem Lebensweg unterstützt werden.

Bei der Jugendsynode ist bereits Auditor Thomas Andonie als Vertreter der Jugendverbände aus dem deutschsprachigen Raum dabei. Und wahrscheinlich haben sie überlegt, für das Thema Berufungsentscheidung noch jemanden hinzuzuziehen. Vielleicht haben sie mich deshalb als Experten dazu berufen. 

DOMRADIO.DE: Diskutiert wird vier Wochen lang, einerseits im Plenum, aber auch in Kleingruppen, nach den verschiedenen Sprachen aufgeteilt. Wie läuft das ab, inwiefern können Sie sich da beteiligen?

Blattert: Bei der Vollversammlung in der Aula dürfen nur die Synoden-Väter und die Auditoren sprechen, nicht die Experten. Aber wir treffen uns immer nochmal in unserer Expertengruppe. Das sind 23 Leute. Da sammeln wir unsere Eindrücke. Die geben wir an sogenannte Sondersekretäre weiter, die auch das Abschlussdokument schreiben werden. Das ist sehr schön. In der deutschen Sprachgruppe dürfen wir - beziehungsweise ich als Experte - frei mitdiskutieren. 

DOMRADIO.DE: Was sagen Sie denn da über die Jugend in Deutschland?

Blattert: Das hängt natürlich immer wieder vom Thema ab. In der ersten Woche haben wir darüber gesprochen, was wir wahrgenommen haben. In der zweiten Woche ging es darum, wie wir das interpretieren. Und heute Nachmittag beginnt dann die Sprachgruppe darüber zu sprechen, welche weiteren Schritte es bräuchte, um junge Menschen zu begleiten. Da werde ich auf jeden Fall darauf eingehen, dass wir Orte brauchen, an denen junge Menschen zu mündigen Christen erzogen werden. Sie sollen zu mündigen Christen werden können, indem sie Glaubenswissen erlangen, erfahren wie sich erwachsener Mensch spirituell leben können und wie sich Gleichgesinnte finden. Dafür werde ich mich in der Sprachgruppe sehr stark machen. 

DOMRADIO.DE: Von außen wird in den Medien im Moment vor allem viel über die Rolle der Frau gesprochen. Es gibt selbst verschiedene Synoden-Teilnehmer, die beklagen, dass kaum junge Frauen im Plenum sitzen und bei den Beratungen eine Rolle spielen. Wie erleben Sie das, ist das ein Thema für Sie? 

Blattert: Ja natürlich! Weder junge, noch alte Frauen sitzen in der Synode. Ein kleines Beispiel: 80 Prozent aller Ordensleute sind Frauen. Es sind 100 Ordensmänner in der Versammlung, aber nur zwei Ordensfrauen als Vertreter zugegen. Das ist völlig unlogisch. Das haben gerade auch junge Menschen beklagt. Die haben gesagt, das ist doch nicht gerecht, dass die Zusammensetzung so ist. Ich denke, dass hier auch sicherlich Vorschläge kommen werden, um eine Kirche gerechter zu gestalten - mit mehr Beteiligung von Frauen. Es ist nämlich ein ganz deutliches Manko.

DOMRADIO.DE: Denken Sie, das wird auch ein Punkt sein, der im Abschlussdokument erwähnt werden wird?

Blattert: Das kann ich Ihnen noch nicht versprechen. Ich denke sicherlich, dass es die deutsche Sprachgruppe mit einbringen wird. Ob es dann ins Abschlussdokument kommt, das weiß ich nicht. Ehrlich gesagt, das Abschlussdokument wird nicht das Entscheidende sein. Sondern wichtig ist das, was dann vielleicht in einigen Monaten der Papst rausbringen wird. Ich glaube, er hört sehr aufmerksam zu und will Veränderungen. Ich glaube, dass wird dann eher etwas, bei dem größere Veränderungen angestoßen werden und die Bischöfe sich jetzt vielleicht noch nicht richtig trauen, da etwas zu sagen. 

DOMRADIO.DE: Was denken Sie, wenn es so weit sein wird: Was für langfristige Wirkungen und Folgen können wir uns davon erhoffen? 

Blattert: Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass tatsächlich Jugendsynodalräte auf weltkirchlicher Ebene in Diözesen, aber auch in Pfarreien eingerichtet werden. Das höre ich hier immer wieder. Und das eben nicht nur Jugendliche zu Jugendthemen befragt werden, sondern zu allen Themen, die die Kirche betreffen. Das fände ich schon mal spannend, wenn ein Bischof auch einen Jugendrat dazu hören muss, wofür Geld ausgegeben wird und was in ihrer Diözese schief läuft. Das könnte ich mir vorstellen, dass in die Kirche einfach ein ganz anderer Ton kommt und dadurch vielleicht auch mehr unbequeme Themen direkt in die Kirchenleitung geholt werden. 

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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