Ostritz stellt sich gegen Neonazis
Ostritz stellt sich gegen Neonazis
Michael Schlitt, Vorstandsvorsitzender des Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ)
Michael Schlitt, Vorstandsvorsitzender des Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ)
Auf dem Gelände des Hotels "Neisseblick" treffen sich Rechtsextremisten aus ganz Deutschland
Auf dem Gelände des Hotels "Neisseblick" treffen sich Rechtsextremisten aus ganz Deutschland

20.04.2018

Friedensfest gegen Rechts in Ostritz "Breiter gesellschaftlicher Konsens"

Am Wochenende wollen sich im sächsischen Ostritz hunderte Neonazis treffen. Dagegen regt sich Protest. Ein breites Bündnis – auch unter Beteiligung der Kirchen – will mit einem Friedensfest ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus setzen.

DOMRADIO.DE: Normalerweise ist Ostritz ja ein eher beschaulicher Ort. Wie haben denn die Bewohner darauf reagiert, als sie gehört haben: Hierhin verirrt sich dieses "Schuld und Schwert"-Festival.

Michael Schlitt (Direktor des Internationalen Begegnungszentrums Sankt Marienthal (IBZ)): Bei den Bewohnern gibt es natürlich viele Ängste und Sorgen. Viele haben die Bilder von Hamburg vor Augen, als es dort zu Auseinandersetzungen kam zwischen Polizei und Demonstranten. In Ostritz ist die Situation deshalb besonders aufgeladen, weil hier tausend Rechtsextremisten erwartet werden und auf der anderen Seite die Partei Die Linke auch eine Gegenveranstaltung angemeldet hat, zu der ebenfalls tausend Besucher erwartet werden.

DOMRADIO.DE: Der Organisator auf der rechten Seite ist ja der vorbestrafte Thüringer NPD-Funktionär Thorsten Heise. Halten Sie die Wahl des heutigen Datums für einen Zufall?

Schlitt: Nein, ich halte das nicht für einen Zufall. Dieses Datum ist bewusst gewählt, wie auch der Titel der Veranstaltung, "Schild und Schwert"-Festival, was abgekürzt nichts anderes heißt als "SS-Festival".

DOMRADIO.DE: Sächsische Verfassungsschützer bestätigen eine deutlich steigende Tendenz bei Musikveranstaltungen der extremen Rechten. Ist das auch ihr persönlicher Eindruck, dass es da eine Steigerung gibt?

Schlitt: Mein Eindruck ist, dass die rechtsextreme Szene hier versucht, in Ostritz einen Schulterschluss zwischen den verschiedenen Richtungen zu schaffen – ein Schulterschluss, bestehend aus denjenigen Einrichtungen, die mehr intellektuell unterwegs sind, denjenigen, die mehr auf Musik und Rechtsextremismus setzen und drittens denjenigen, die auf Sport und völkische Spiele setzen. Zwischen diesen verschiedenen Einrichtungen, Gruppierungen, Richtungen der Neonazis und Rechtsextremisten soll hier ein Zusammenschluss entstehen. Es sollen neue Netzwerke aufgebaut werden, die in ihrer Bedeutung dann weit über Sachsen hinausreichen. 

DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, das wird gelingen?

Schlitt: Sie werden es zumindest versuchen und wir in Ostritz wollen alles versuchern, ihnen das so schwer wie möglich zu machen. 

DOMRADIO.DE: Sie haben parallel zum "Schild und Schwert"-Festival ein dreitägiges Friedensfest organisiert. Was ist das für ein Fest? 

Schlitt: Wir vom Internationalen Begegnungszentrum Sankt Marienthal haben mit vielen Bürgerinnen und Bürgern eine parteiübergreifende Veranstaltung organisiert, die auch die Kirchen, Stiftungen, Vereine und Verbände mit einschließt. Uns scheint ein Protest allein von linken Gruppierungen zu wenig. Wir wollen hier versuchen, einen breiten gesellschaftlichen Konsens zu organisieren, dass wir so etwas wie ein SS-Festival hier in Ostritz nicht dulden. 

DOMRADIO.DE: Und wer ist zu dem Fest eingeladen?

Schlitt: Es wird ein Fest geben für Jung und Alt, aber auch für Menschen unterschiedlicher Parteien und unterschiedlicher Kirchenzugehörigkeiten. Uns ist es wichtig, dass hier möglichst viele aus der Mitte der Gesellschaft klare Kante gegen die Nazis zeigen. 

DOMRADIO.DE: Sie sagen "klare Kante zeigen". Glauben Sie, Ihr Friedensfest kann vielleicht sogar einen der Festivalbesucher zum Umdenken bewegen?

Schlitt: Neonazis und hartgesottene Rechtsextremisten wird man sicherlich mit einem Friedensfest nicht erreichen können. Aber wir wollen klarmachen, dass wir diese Menschen hier nicht unbehelligt den Geburtstag von Adolf Hitler feiern lassen wollen – dass es hier eine breite Mehrheit der Gesellschaft in der Region gibt, die mit diesen Dingen überhaupt nichts am Hut hat. 

Das Interview führte Verena Tröster. 

(DR)

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