20.04.2018

Diskussion um neuen Feiertag in Berlin "Politisch und historisch relevant"

Nach dem Vorstoß der norddeutschen Bundesländer, den Reformationstag zum gesetzlichen Feiertag zu machen, könnte auch Berlin einen neuen Feiertag bekommen. Die Berliner Kirchen reagierten positiv auf den Vorschlag.

"Das diskutieren wir", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller im Interview der "Welt": "Die Frage ist nicht so sehr, ob wir einen solchen Feiertag bekommen, sondern eher welchen." Es müsse ein Tag sein, der eine "politische Relevanz in unserer Geschichte hat", betonte Müller weiter: "Möglich wäre zum Beispiel der 17. Juni, Jahrestag des Aufstandes in der DDR, der 8. Mai als Tag der Befreiung oder der 27. Januar als Holocaustgedenktag."

Die norddeutschen Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen streben derzeit gemeinsam die Einführung eines neuen Feiertags am Reformationsfest an, um ein Ungleichgewicht zu den übrigen Ländern zu beseitigen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte zuvor vor der Einführung eines neuen Feiertags gewarnt. "So schön neue Feiertage für den einzelnen Arbeitnehmer kurzfristig auch sind, gesetzliche Feiertage verteuern die Arbeit in Deutschland", sagte Kretschmer der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Berliner Kirchen

Die Berliner Kirchen reagierten positiv auf den Vorschlag. Er begrüße die Diskussion, erklärte der Generalvikar des katholischen Erzbistums Berlin, Pater Manfred Kollig, am Freitag auf Anfrage. "Auch wenn wir uns weitere kirchliche Feste als gesetzliche Feiertage wünschen, kann ich mir insbesondere den 9. November als gesetzlichen Gedenk- und Feiertag vorstellen, gerade für Berlin", so Kollig.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz betonte auf Anfrage, sie begrüße die Ankündigung. Zugleich würde sich die Evangelische Kirche aber wünschen, dass auch in Berlin – wie in vielen anderen Bundesländern – der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag würde. Dieser habe nicht nur eine kirchliche, sondern auch eine wichtige gesamtgesellschaftliche Relevanz.

Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg betonte, es sei folgerichtig, einen Feiertag zu wählen, der "sowohl politisch als auch historisch relevant ist und für einen Großteil der mehrheitlich säkularen Bevölkerung eine Bedeutung hat".

Koalitionspartner

Unterstützung bekommt Müller vom Koalitionspartner Linkspartei. "Unsere Position ist, dass die Berlinerinnen und Berliner einen neuen Feiertag verdienen", sagt die Linke-Landeschefin Katina Schubert der "Welt" (Samstag). "Gegenüber anderen Bundesländern sind wir massiv im Hintertreffen, gerade im Vergleich zu NRW und Bayern". Und weiter: "Bei allem preußischen Arbeitsethos: Es ist nicht einzusehen, warum die Berliner da zurückstehen sollen."

Schubert zufolge hat sich der rot-rot-grüne Senat bereits auf einen einmaligen Feiertag am 75. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 2020 geeinigt. Für die Linke sei dabei "völlig klar", so Schubert weiter, dass es sich bei einem dauerhaften Feiertag in Berlin um einen "säkularen Feiertag" handeln müsse. Die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr sagte, sollte ein weiterer Feiertag geschaffen werden, müsse dies ein Tag sein, mit dem sich alle Berliner identifizieren könnten.

(KNA)

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