Michel Sabbah, emeritierter Lateinischer Patriarch von Jerusalem
Michel Sabbah, emeritierter Lateinischer Patriarch von Jerusalem

19.03.2018

Jerusalems emeritierter Patriarch Michel Sabbah wird 85 Noch immer eine laute Stimme für Palästinas Christen

85 Jahre und kein bisschen leise. Er war der erste Palästinenser, der die lateinischen Christen im Heiligen Land leitete. Israels Politik – und der derzeitigen US-Regierung – bringt ihn bis heute auf die Palme.

Zehn Jahre ist der frühere Patriarch von Jerusalem Michel Sabbah nun schon aus dem Amt. Auch sein Nachfolger, Fouad Twal, hat bereits seit zwei Jahren den Stab weitergereicht an den italienischen Erzbischof Pierbattista Pizzaballa. Still ist es um den leidenschaftlichen Kämpfer für die palästinensische Sache dennoch nicht geworden. Am Montag (19. März) wird Sabbah 85 Jahre alt.

Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit

"Die einzige verbleibende Hoffnung der Kirche sind prophetische Stimme und Handeln." Mit diesen Worten rief Sabbah im Juni 2017 aus Anlass von 50 Jahren israelischer Besatzung den Weltkirchenrat zu Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit im Heiligen Land auf. Das Heilige Land sei "immer im Krieg", "immer unter militärischer Besatzung" - und niemand höre auf die Stimme der Engel, die den Menschen in der Weihnacht von Frieden auf Erden sängen. Das "Land der Erlösung" brauche am nötigsten - Erlösung.

Obwohl er unliebsame Interview-Anfragen gern mit Hinweis auf die Hierarchie im Lateinischen Patriarchat ablehnt oder gar nicht erst beantwortet - nicht zuletzt wegen seiner pointierten Positionierung im Nahost-Konflikt ist Sabbah bis heute ein gefragter Gesprächspartner.

"Angst vor Frieden sei größer"

Krieg und Frieden gehören zum regelmäßigen Wortschatz des streitbaren Kirchenmanns, etwa wenn er angesichts der US-Jerusalem-Erklärung beim Entzünden der Lichter am Bethlehemer Weihnachtsbaum den "Besatzern" vorwirft, "uns die Freude von Weihnachten genommen" zu haben und "Krieg anstelle von Frieden" zu schenken. Die Angst vor dem Frieden, mahnte der Palästinenser wiederholt, sei größer als die Angst vor dem Krieg.

Als erstes arabisches Oberhaupt seit der Wiederbelebung des Lateinischen Patriarchats 1847 leitete Michel Sabbah 20 Jahre lang die Geschicke der römischen Katholiken im Heiligen Land. Dabei hat er sein späteres Wirkungsfeld quasi von der Pike auf kennengelernt.

In Nazareth geboren, trat er im Alter von zehn Jahren ins "kleine Seminar" des Patriarchates in Beit Dschallah ein und studierte anschließend im "großen Seminar" Theologie und Philosophie. 1955 wurde er in seiner Geburtstadt zum Priester geweiht und im selben Jahr zum Vikar im jordanischen Madaba ernannt. Er unterrichtete Arabisch am Seminar und war Zeremoniar des Patriarchen.

1988 zum Patriarch von Jerusalem ernannt

Als junger Priester widmete er sich mit besonderem Interesse der arabischen Sprache und den Islamwissenschaften, die er von 1968 bis 1975 in der Diözese Dschibuti lehrte. Seine Doktorarbeit in arabischer Philologie verfasste er in Beirut. 1980 übernahm Sabbah die Präsidentschaft der Bethlehem-Universität – bis er 1988 zum Patriarchen von Jerusalem ernannt wurde.

Für die palästinensische Sache erhebt der Emeritus bis heute gern seine Stimme. Im Streitfall von Cremisan etwa machte er sich zum prominenten Fürsprecher seines Volkes. Mitten in den durch den Israels Mauerbaupläne bedrohten palästinensischen Ländereien von Beit Dschallah feierte er zusammen mit der Ortsgemeinschaft Gottesdienst unter freiem Himmel, verurteilte er Israels Besatzungspolitik und forderte eine gerechte Friedenslösung - bislang vergeblich.

Sabbah kämpft weiter. Dabei ist Jerusalem zuletzt verstärkt in den Mittelpunkt gerückt. "Nicht vor unseren Leuten, nicht vor Muslimen" hätten die Christen Angst, sondern vor Amerika, sagte er unlängst in einem CNN-Interview. Zum Schutz der Christen müsse US-Präsident Donald Trump zuallererst seine eigene Nahost-Politik ändern - weg von "noch mehr Tod und Zerstörung".

Im Dienst von Palästina und Jerusalem

Auf palästinensischer Seite kommt Sabbahs Engagement an. Im November erhielt der Nazarener den "Arafat-Preis" aus den Händen von Ministerpräsident Rami Hamdallah, Zeichen der Anerkennung für seine herausragende Rolle im Dienst "der Sache von Palästina und Jerusalem".

Einen Seelenverwandten scheint Sabbah auch in einem anderen Emeritus gefunden zu haben. "Unser vertrautes Verhältnis ist etwas sehr seltenes und in Jerusalem nicht üblich", sagte der zu Jahresbeginn altersbedingt ausgeschiedene evangelisch-lutherische Bischof Munib Younan (67). Gemeinsam werden sie weiter "eine Stimme bleiben für die Christen im Heiligen Land, für Gerechtigkeit, Frieden und interreligiösen Dialog".

Andrea Krogmann
(KNA)

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