Lichter sollen an die Toten erinnern
Lichter sollen an die Toten erinnern
Trauer bei jungen Menschen
Trauer bei jungen Menschen

29.10.2017

Am Sonntag startet die Aktion "Ein Licht für dich!" Eine Kerze für früh Verstorbene

Angebote für Trauernde richten sich oft an Senioren. Dabei stürzt ein Todesfall gerade junge Menschen in eine große Leere. Ein Gedenktag soll die Öffentlichkeit jetzt für das Thema sensibilisieren.

Der Sonntag gilt als Tag der Familie. Für Menschen, die ihren Lebenspartner früh verloren haben, ist gerade das kein schöner Tag. Zu offensichtlich kann die Leere werden, die der Verlust des geliebten Menschen hinterlassen hat. An diesen Punkt knüpft der Verein Selbsthilfe für Verwitwete (VIDU) an und initiiert in diesem Jahr den ersten Gedenktag für früh Verstorbene.

Betroffene hätten den Wunsch geäußert, den Tag im Sommer zu veranstalten, sagte Sprecherin Susanne Hempel. Im Sommer sind die Menschen vergnügt und fahren als Familie in den Urlaub. "Diese Fröhlichkeit auszuhalten, ist super anstrengend für die Trauernden." Es sei jedoch schwierig, das Thema in der Sommerzeit zu platzieren.

Teelichter ins Fenster

Deshalb habe man sich für den Herbst entschieden. An diesem Sonntag können Betroffene Teelichter mit einer speziellen Banderole in die Fenster stellen. Die Lichtschirme aus Papier können auf der Internetseite des Vereins heruntergeladen werden.

Menschen die ihren Partner früh verloren haben, stehen laut VIDU oft vor dem Nichts. Mit dem Verlust zerplatzen Lebensträume und Zukunftsplanungen. Zur Einsamkeit kommen oft existenzielle Ängste, dazu psychische und finanzielle Notlagen. Die rechtliche Situation sei zudem in Deutschland nicht gut geregelt, so Hempel. Und zusätzlich zur eigenen Trauer müssten Eltern oft auch den Schmerz der Kinder auffangen.

Thema ignoriert

Ziel des Gedenktags ist, den Trauernden das Gefühl zu geben, in dieser Situation nicht alleine zu sein. Die Toten seien irgendwann kaum noch präsent, meint VIDU-Vorsitzende Ellen Peiffer. Das soll der Gedenktag ändern, indem man sich gemeinsam erinnert und zeigt, "diese Menschen hat es gegeben, und sie sind immer noch wertvoll für uns." Es sei wichtig, der Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass auch junge Menschen sterben. Und dass dieses Erlebnis für die Hinterbliebenen und ihre Kinder oft eine große Katastrophe ist. Das Thema werde ansonsten weitgehend ignoriert.

Nach Einschätzung von Hempel könnte das mit daran liegen, dass kein Betroffener öffentlich über die Situation spreche. So gäbe es viele Prominente in Deutschland, die einen Partner verloren hätten. Allerdings wolle sich niemand für das Thema stark machen. Für Hempel gehört die Problematik jedoch in die Gesellschaft. Denn: "Wenn man darüber nachdenkt, dann kennt eigentlich jeder jemanden, der betroffen ist." Ein Anliegen des Vereins ist daher auch, Hinterbliebenen zu vermitteln, "es gibt noch andere, denen es ähnlich geht."

Tod als Makel

Besonders bitter ist, wenn sich in dieser Extremsituation Freunde zurückziehen, so der Verein. Hinterbliebene berichten, dass Bekannte sich nicht mehr melden oder die Straßenseite wechseln - weil sie nicht wissen, wie sie auf den Sterbefall reagieren sollen. Von den Betroffenen werde das Thema daher teilweise als Makel empfunden. Andere hätten Angst, ein negatives Image zu bekommen.

Doch es gibt auch Dinge, die helfen, so Peiffer. Freunde, Familie und Bekannte, die zuhören, sich Zeit nehmen und für einen da sind. Gut sei auch, sich mit Menschen in der gleichen Situation auszutauschen und zu erleben: "Man kann es schaffen, trotzdem ein gutes Leben zu führen." Der VIDU bietet dazu ein Netzwerk und Austauschmöglichkeiten an.

Konflikt im Glauben

Der Verein hat sich bewusst für einen überkonfessionellen Gedenktag entschieden. Die Thematik müsse allen Menschen offen stehen, unabhängig von ihren religiösen Überzeugungen. Denn gerade der Aspekt Glaube sei schwierig und tröstlich zugleich. Viele Betroffene hätten aufgrund des frühen Sterbefalls ein Problem mit Gott. Sie fragen sich: "Wie kann ein Gott so etwas zulassen?".

Peiffer sagte, auch sie sei vor dem Tod ihres Mannes stärker in der Kirche verhaftet gewesen. Danach in den Gottesdienst zu gehen, über den "guten Gott" und "Schuld" zu hören, sei ihr sehr schwergefallen. Ein Schlüsselerlebnis war die Begegnung mit einem Pfarrer, der ihr erlaubte, mit Gott zu hadern. Das habe sie als sehr entlastend empfunden. Denn: "Ein schlechtes Verhältnis zu Gott ist besser als gar keins."

Anna Fries
(KNA)

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