Chrisam und Salböl am Taufbecken
Chrisam und Salböl am Taufbecken

03.09.2017

Zentrum in Eisleben will Abhilfe schaffen Wenige Taufen im Osten

Nur wenige Menschen in Ostdeutschland sind und werden getauft. Viele entscheiden sich jedoch ganz bewusst für die Taufe. Ein Zentrum in Luthers Geburtsort möchte Menschen auf den Weg dahin begleiten.

Langsam schreitet die Mutter mit ihrem Baby knietief und in Sachen in das warme Wasser des Taufbrunnens in der St.Petri-Pauli-Kirche in der Lutherstadt Eisleben. Das Kind wird nach einer alten Zeremonie mit nahezu dem ganzen Körper getauft, erzählt Pfarrerin Simone Carstens-Kant. Dafür entscheiden sich Menschen heute ganz bewusst - in Ostdeutschland neben jungen Familien vor allem Jugendliche und Erwachsene.

Etwa zehn Menschen jährlich sind es, die in dem Gotteshaus die besondere Zeremonie erleben. In diesem Jahr habe es fünf Taufen in dem Brunnen gegeben, weitere sieben seien geplant. Das Interesse daran sei gestiegen, die Zahl der Anmeldungen aber nicht, räumt die Pfarrerin ein. Sie leitet das Zentrum Taufe seit der Eröffnung 2012.

Immer weniger Menschen lassen sich taufen

Die Taufe stehe für etwas Besonderes im Leben, für den Eintritt in die Kirche. Das immer in Bewegung befindliche Wasser in dem Brunnen symbolisiere den Ursprung des Lebens auf der Erde, sagt die Pfarrerin. Dies ist auch der Gedanke bei Taufen in Flüssen, etwa in der Elbe. Dennoch ist vor allem in Ostdeutschland die Zugehörigkeit zu einer Konfession auch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall gering.

Im vergangenen Jahr wurden in den Ländern, die die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) umfasst, 5.230 Menschen getauft - nach 5.540 im Jahr 2015 und 2014 mit noch 5.652, erklärt EKM-Sprecher Friedemann Kahl. Bundesweit wurden innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 2016 insgesamt 178 408 Taufen vollzogen, der Anteil der Konfessionslosen sei in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Gleichwohl hätten sich volkskirchliche Strukturen erhalten. Kinder christlicher Eltern wachsen laut EKD in der Regel durch die Taufe weiterhin in die Kirche hinein.

Mehr Taufen aber bei Jugendlichen

"Es fällt auf, dass die Taufzahlen der Jugendlichen durchaus steigen. Aber das hängt davon ab, dass sich einerseits das Alter für die Taufe verschoben hat - und vor allem, wie sie im Elternhaus religiös sozialisiert worden sind", erklärt Michael Domsgen, Professor für evangelische Religionspädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

So nehme die Mehrheit der Schüler allein in Sachsen-Anhalt nicht am Religionsunterricht teil. Eltern seien zugleich zurückhaltender, was klare Vorgaben betreffe. Das Kind solle - wenn es älter ist - selbst entscheiden, ob es getauft werden wolle oder nicht. Daher gebe es vom Alter her einen "Taufaufschub":

Die einstige Taufkirche von Martin Luther (1483-1546) in Eisleben wurde nach einem Architektenwettbewerb für rund 2,6 Millionen Euro umgebaut. Das Taufzentrum der Kirche entwickelte sich nach Angaben der Stadt zugleich zur Pilgerstätte für Menschen aus der ganzen Welt wie aus den USA.

Petra Buch
(dpa)