Mafia-Boss Bernardo Provenzano nach seiner Verhaftung im April 2006.
Mafia-Boss Bernardo Provenzano nach seiner Verhaftung im April 2006.

14.07.2016

Mafia-Boss Provenzano wird ohne Messe beerdigt Kirchliche Beisetzung ohne Eucharistiefeier

Kaum ein Mafioso hat Italien so in Atem gehalten wie Bernardo Provenzano. Die Polizei suchte in 40 Jahre, vor zehn Jahren fanden sie ihn. Nach seinem Tod endeckten sie religiöse Symbole in seinen Sachen. Bei der kirchliche Beisetzung gibt es trotzdem keine Messe.

Der am Mittwoch im Alter von 83 Jahren verstorbene Mafia-Boss Bernardo Provenzano wird ohne Messe beerdigt. Eine kirchliche Beisetzung in Provenzanos Heimatort Corleone finde im engsten Familienkreis in der Friedhofskapelle und ohne Eucharistiefeier statt, sagte der Sprecher der sizilianischen Diözese Monreale, Antonio Chimenti, am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auf die Messe werde verzichtet, weil jede Eucharistie "Ausdruck der Kirchengemeinschaft" sei; diese sei bei Provenzano nicht vorauszusetzen. Er befinde sich "in einer Art Exkommunikation".

"Wir alle sind Sünder."

Chimeti, der selbst Priester ist, verteidigte den Brauch kirchlicher Beerdigungen auch für Kriminelle. Gebete für den Verstorbenen könnten "niemandem verweigert werden", so der Bistumssprecher. "Wir alle sind Sünder." In der Trauerfeier bitte "die ganze Kirche den Herrn um Erbarmen angesichts des Letzten Gerichts, dass es ein Gericht der Barmherzigkeit werde". Dies gelte "für einen Familienvater wie für einen Schwerverbrecher". Italienische Medien hatten zuvor berichtet, der Polizeichef von Palermo, Guido Longo, habe eine öffentliche Trauerfeier für den früheren "Boss der Bosse" in einer Kirche untersagt.

Übliche Praxis

Bistumssprecher Chimeti erklärte dazu, es handle sich um eine übliche Praxis. Dabei verständige sich die Polizeibehörde der betreffenden Provinz mit dem Ortsgeistlichen über eine diskrete Beerdigung ohne Feier in der Pfarrkirche. Zuletzt sei so der Ex-Mafioso Procopio Di Maggio mit einer nichtöffentlichen Zeremonie um sieben Uhr morgens auf dem Friedhof der nordsizilianischen Kleinstadt Cinisi beigesetzt worden, sagte Chimeti. Di Maggio, der in den 30er-Jahren in den USA für den legendären Al Capone arbeitete und wie Provenzano zum Clan von Salvatore "Toto" Riina gehörte, war am 2. Juni im Alter von 100 Jahren gestorben.

Bildchen von Volksheiligen und Bibel

Bernardo Provenzano war im April 2006 nach 43 Jahren im Untergrund nahe seiner Heimatstadt Corleone festgenommen worden. In seinem Versteck fand sich neben einem Bildchen des Volksheiligen Pater Pio auch eine Bibel mit zahlreichen Unterstreichungen und Anmerkungen. Unklar blieb, ob diese Notizen Ausdruck persönlicher Frömmigkeit waren oder in Zusammenhang mit verschlüsselten Botschaften des Bosses standen. Provenzano pflegte seine Anweisungen auf kleinen Zettelchen, sogenannten "pizzini" mit Segenswünschen zu verbinden.

(KNA)