Fünf nach Zwölf: Die Briten und der Brexit
Fünf nach Zwölf: Die Briten und der Brexit
Junge Briten sind wütend - dabei sind sie mitschuld am Brexit - die Wahlbeteiligung war nur gering
Junge Briten sind wütend - dabei sind sie mitschuld am Brexit - die Wahlbeteiligung war nur gering
Pfr. Mike Kolb
Pfr. Mike Kolb

27.06.2016

Brexit: Kölner Jugendseelsorger sieht Jugend in der Pflicht Nach schlechter Wahlbeteiligung

Sie sind mehrheitlich für den Verbleib in der EU, aber beim Referendum haben die jungen Menschen sich kaum an der Wahlurne blicken lassen. Der BDKJ und der Kölner Jugendseelsorger sehen die jungen Briten am Zuge.

Junge Leute in Großbritannien haben offenbar die Möglichkeit unterschätzt, dass ihnen andere Generationen mit ihrer Wahlentscheidung beim Brexit-Referendum die Weichenstellung für die Zukunft des Landes aus der Hand nehmen könnten. Das glaubt der Kölner Diözesanjugendseelsorger Mike Kolb. Dementsprechend groß sei jetzt die Panik angesichts des drohenden EU-Austritts ihres Landes und der Versuch, Versäumnisse doch noch zu korrigieren.

Etwa 75 Prozent der 18- bis 24-Jährigen Briten hatten beim Brexit-Referendum am Freitag gegen den Austritt ihres Landes aus der EU gestimmt. Der Vorwurf, die Alten hätten ihnen mit dieser Entscheidung die Zukunft verbaut, greift allerdings nicht wirklich. Schließlich lag die Wahlbeteiligung der Unter- 25-Jährigen bei gerade mal 36 Prozent.

Geringe Wahlbeteiligung der Jüngsten

Diese enttäuschend geringe Wahlbeteiligung der jüngsten Wahlberechtigten zeigt in den Augen von Katharina Norpoth deutlich, dass die Befürworter des EU-Verbleibs die jungen Leute nicht erreichen konnten. Bei den jungen Wählern habe offensichtlich das Bewusstsein über Bedeutung und Reichweite des Referendums gefehlt, so die Bundesvorsitzende des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) weiter.

Positiv bewerten sowohl der Jugendseelsorger als auch der BDKJ dagegen die grundsätzliche Europafreundlichkeit der Jungwähler. Diese zeige, dass das vereinte Europa für junge Leute längst zur Normalität geworden sei, so Katharina Norpoth. Mike Kolb sieht durch die Pro-Europa-Haltung der Jungen auch antieuropäische Populisten wie etwa AfD-Politiker in Deutschland, Geert Wilders in den Niederlanden oder Marine Le Pen in Frankreich, widerlegt. Es stimme einfach nicht, dass die Menschen gegen das Zusammenwachsen Europas seien.

Jugendverbände in der Pflicht

Nun komme es darauf an, das Bewusstsein der Teens und Twens dafür zu schärfen, dass sie für vereintes Europa auch kämpfen müssten, sagte die BDKJ-Vorsitzende Norpoth weiter. Hier stünden auch die Jugendverbände in der Pflicht. "Wir müssen ihnen zeigen, wie wichtig ein vereintes und starkes Europa ist, gerade auch, um die vielen Herausforderungen und Krisen gemeinsam zu meistern."

Der Kölner Jugendseelsorger Mike Kolbe äußerte zudem die Hoffnung, dass die jungen Leute in Großbritannien sich jetzt nicht widerstandlos mit dem Ausgang des Referendums zufrieden geben. "Auch wenn es vielleicht naiv klingt: Ich hoffe, dass jetzt gerade junge Menschen sagen: "Wir organisieren Demonstrationen, wir gehen in den Dialog, in die Auseinandersetzung.  Wir nehmen die Zukunft des Landes in unsere Hand!" Dazu sei auch ein kämpferischer demokratischer Weg legitim. Die jungen Leute sollten sich "hier nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und rückwärtsgewandte Entscheidungen akzeptieren". "Das würde ich mich wünschen", so Mike Kolb.

(dr)