Papst fordert mehr Religionsfreiheit
Papst fordert mehr Religionsfreiheit

30.11.2015

Neuer türkischer Bischof warnt vor EU-Auswanderungsträumen Christen für Demokratie

Im türkischen Iskenderun hat der Nachfolger des ermordeten Bischofs Luigi Padovese sein Amt angetreten. Der italienische Jesuit Paolo Bizzeti ist für die Katholiken der gesamten Osttürkei zuständig.

In seiner Antrittspredigt rief der 67-Jährige sie auf, trotz Schwierigkeiten im Land zu bleiben. Auch in allen Generationen vor ihnen hätten Christen "oft um den Preis des Lebens" am Glauben festgehalten, sagte Bizzeti laut dem am Montag verbreiteten Predigttext.

Seinen Wechsel von Italien in die Türkei nannte Bizzeti "eine Art Gegen-Exodus". Seine Gemeinde warnte er vor Auswanderungsträumen.

EU: Familie in der Krise

Viele dächten, die EU sei "voller Chancen, reich und christlich". In Wirklichkeit stecke die Familie dort in der Krise, es herrsche Individualismus und eine Armut an Beziehungen. Auch wenn es in Europa viele Kirchen und Gottesdienste gebe, sei dies nicht gleichbedeutend mit vielen Jüngern Jesu, so der Bischof. Die Christen in der Türkei müssten "in vorderster Linie sein, um ein demokratisches Land aufzubauen".

Bizzeti, am 22. September 1947 in Florenz geboren, ist seit 1966 Jesuit und war seit 1978 immer wieder in der Türkei. Zuletzt arbeitete er als Direktor eines Zentrums für die Laienbildung in Padua. Sein jetziger kirchliche Verwaltungsbezirk mit Sitz in Iskenderun hat den Rang eines Apostolischen Vikariates, der Vorform eines Bistums.

Bizzetis Vorgänger Padovese war 2010 von seinem muslimischen Fahrer erstochen worden. Das Gericht betrachtete ihn als geistesgestörten Einzeltäter. Kirchenvertreter äußerten hingegen Zweifel am Aufklärungswillen der türkischen Justiz. Der Beschuldigte machte im Verlauf des Prozesses widersprüchliche Angaben über seine Motive.

Spekulationen reichten von einem islamistischen Hintergrund bis zu einer homosexuellen Beziehung.

(KNA)