25.11.2015

Der Neutestamentler und Erfolgsautor Klaus Berger wird 75 Mahner wider den Zeitgeist

Evangelischer Professor oder heimlicher Katholik? Nicht nur durch seine eigenwilligen Bibel-Auslegungen sorgt Klaus Berger für Aufsehen. Am Mittwoch wird der streitbare Heidelberger Theologe 75 Jahre alt.

Den Vorwurf der Unredlichkeit und Täuschung lässt Klaus Berger bis heute nicht gelten. Er habe nie verheimlicht, dass er sich auch als Professor für evangelische Theologie in Heidelberg immer als "Katholik im Exil" verstanden und somit als "Katholik jahrelang evangelische Pfarrer ausgebildet" habe. Der einmalige Fall des ökumenischen Verwirrspiels sorgte 2005 für erhitzte öffentliche Debatten. Sogar der Vatikan schaltete sich ein und dementierte, von einer geheimen doppelten Kirchenmitgliedschaft gewusst zu haben.

Zehn Jahre danach haben sich die Wogen geglättet. So ist Berger nach seiner versteckten konfessionellen Exilszeit heute deutlich sichtbar im konservativen katholischen Kirchenflügel beheimatet und vernetzt. Er ist mit dem nach strengen Regeln lebenden Zisterzienserorden verbunden, hat Kontakte zum "Initiativkreis katholischer Laien und Priester" und schreibt regelmäßig für die konservative Würzburger Zeitung "Die Tagespost". Immer wieder warnt er vor wachsender Säkularisierung und will dem von ihm konstatierten religiös-liberalen Zeitgeist keine Zugeständnisse machen.

Gegen eine Ökumene von unten

So ist Berger entschieden gegen konfessionsübergreifende offene Abendmahlsfeiern, gegen eine Ökumene von unten, gegen eine Aufhebung des Zölibats. Wiederholt wandte er sich auch gegen eine allein historisch-kritisch geprägte Bibelwissenschaft. Stattdessen wirbt er dafür, die biblischen Texte auch als spirituelle Kraftquelle zu verstehen. Um seine Überzeugungen nicht nur in Büchern zu vertreten, ist er als eifriger Vortragsredner in ganz Deutschland unterwegs. Von einem Termin zum anderen reisend, betet der hochgewachsene, weißhaarige Theologe im Zug das lateinische Gebetbuch der Zisterzienser.

Geboren 1940 in Hildesheim, wuchs Berger im nahen Goslar auf. Zum Studium von Theologie, Philosophie und orientalischen Sprachen ging er nach München. Eigentlich wollte er katholischer Priester werden: "Mich fasziniert diese Lebensform als radikale Christusnachfolge." Die Pläne scheiterten am Vorwurf einer Irrlehre gegen seine an der Münchner Katholischen Theologischen Fakultät eingereichte Dissertation. Im Hintergrund stand aber wohl vor allem das persönliche Zerwürfnis mit seinem damaligen Doktorvater Otto Kuss.

Theologische Bestseller

Dennoch wandte sich Berger ab, gab seinen Traumberuf katholischer Priester auf. Nach kurzem Intermezzo als Dozent für Neues Testament und altchristliche Literatur an der Universität Leiden wurde er 1974 Professor für evangelische Neutestamentliche Theologie in Heidelberg, wo er bis zu seiner Emeritierung 2006 blieb. Fachleute heben als Stärke Bergers hervor, dass er schwierige theologische Sachverhalte einfach, aber fundiert und oft bildhaft zur Sprache bringt. Davon profitierten viele Leser und Zuhörer seiner Vorträge.

Berger ist durch seine klare Sprache und seinen Fleiß zu einem der führenden deutschen Neutestamentler der Gegenwart geworden. Einige seiner rund 80 Bücher wurden theologische Bestseller. Am Mittwoch wird der für pointierte Meinungen wider den Mainstream bekannte Theologe 75 Jahre alt.