Super-Wahlsonntag in Lateinamerika

Ein TV-Komiker für Guatemala

Lateinamerikas Super-Wahlsonntag hat Historisches gebracht: In Argentinien feiert die Opposition das Remis im ersten Durchgang wie einen Sieg. In Guatemala gewinnt ein TV-Komiker die Präsidentschafswahl. In Kolumbien wurde sehr friedlich gewählt.

Guatemalas Wahlsieger Jimmy Morales / © Santiago Billy (dpa)
Guatemalas Wahlsieger Jimmy Morales / © Santiago Billy ( dpa )

Bei den Präsidentschaftswahlen in Argentinien gelang es dem Herausforderer aus dem Lager der bürgerlichen Opposition "Cambiemos", Mauricio Macri, den Kandidaten des Regierungsbündnisses, Daniel Scioli, in eine Stichwahl zu zwingen. Beide Kandidaten liegen nach Auszählung fast aller Stimmen im ersten Durchgang mit 35 Prozent etwa gleichauf. Damit dürfte der bisherige Gouverneur der Provinz Buenos Aires als Favorit in den zweiten Wahlgang gehen, vorausgesetzt, es gelingt Macri, ein Bündnis mit den anderen unterlegenen Kandidaten zu schmieden. Vor allem die Stimmen aus dem Lager von Sergio Massa (21 Prozent) dürften den Ausschlag geben.

Für Daniel Scioli, der für das Regierungsbündnis der amtierenden Präsidentin Cristina Kirchner ins Rennen geht, ist das Ergebnis eine Enttäuschung. Er hatte auf einen Sieg im ersten Durchgang spekuliert. Macri sagte noch am Abend: "Dieser Tag wird die Politik in Argentinien verändern." Für den 22. November hat die Nationale Wahlkammer die erste Stichwahl in der argentinischen Geschichte festgesetzt. Unterdessen konnte die Opposition auch die bevölkerungsreiche Provinz Buenos Aires für sich entscheiden. Maria Eugenia Vidal ("Cambiemos") verwies den Kabinettschef der Kirchner-Regierung, Anibal Fernandez, deutlich auf Platz zwei.

TV-Komiker gewinnt in Guatemala

In Guatemala sind die Würfel dagegen schon gefallen. Der ehemalige TV-Komiker Jimmy Morales gewann mit rund 69 Prozent der Stimmen die Wahlen gegen die ehemalige Präsidentengattin Sandra Torres. Morales gilt als politisch unbeschriebenes Blatt. Sein simpler Slogan "Weder korrupt noch ein Dieb" kam nach dem Korruptionsskandal um den Ex-Präsidenten gut an. Morales ist durch eine Comedy-Sendung auf einem Privatsender bekannt.

Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu rief ihre Landsleute noch am Tag der Wahl dazu auf, wachsam zu verfolgen, in welche Richtung sich das Land entwickeln werde. Sie beobachte mit Sorge, dass sich im Lager von Morales auch Veteranen des guatemaltekischen Bürgerkrieges eingefunden hätten. Morales übernimmt ein Land, das inmitten eines Korruptionsskandals um den zurückgetretenen Präsidenten Otto Perez Molina einen Neuanfang herbeisehnt.

Kolumbien: Friedlichster Urnengang seit Jahrzehnten

In Kolumbien standen unterdessen die ersten Wahlen nach dem historischen Handschlag zwischen Präsident Juan Manuel Santos und dem Chef der linksgerichteten FARC-Guerilla, "Timochenko", bei den Friedensverhandlungen auf dem Programm. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota verloren die Linksparteien erstmals seit zwölf Jahren die Bürgermeisterwahl. Das Amt des Bürgermeisters von Bogota gilt als das zweit einflussreichste in Kolumbien. Enrique Penalosa, der vor 15 Jahren schon einmal die Stadt regierte, gewann die Wahl als Vertreter der bürgerlichen Mitte. Chancenlos war Ex-Vizepräsident Francisco Santos, der als Vertreter der rechtskonservativen Opposition um Ex-Präsident Alvaro Uribe ins Rennen ging. Uribes Partei "Centro Democratico", die als einer der schärfsten Kritiker des Friedensprozesses gilt, ging landesweit nahezu unter. Präsident Juan Manuel Santos erklärte am Wahlabend, der Wahltag sei der friedlichste Urnengang seit Jahrzehnten gewesen.

In Haiti müssen die Wähler unterdessen noch einige Tage auf die Ergebnisse der Wahlen warten. Mehr als fünf Millionen Wähler konnten aus 54 Präsidentschaftskandidaten auswählen. Weil die Parlamentschaftswahlen vom August wegen gewalttätiger Ausschreitungen zum Teil wiederholt werden mussten, wurde der Urnengang mit großer Sorge beobachtet. Pierre Esperance vom Netzwerk der Nationalen Menschenrechtsorganisationen erklärte, der Wahlgang am Sonntag sei vergleichsweise ruhig über die Bühne gegangen.


Quelle:
KNA