27.09.2015

Der Jesuitenorden - Eine Chronologie Und plötzlich Papst

Mit rund 16.700 Mitgliedern ist die „Gesellschaft Jesu“ (Societas Jesu, SJ) die größte männliche Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Über Jahrhunderte waren die Jesuiten, die neben den „evangelischen Räten“ von Armut, Keuschheit und Gehorsam auch besondere Treue gegenüber dem Papst geloben, besonderen Anfeindungen ausgesetzt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) skizziert wichtige Stationen der Ordensgeschichte.

1534 Ignatius von Loyola (1491-1556) legt mit Franz-Xaver und weiteren Gefährten geistliche Gelübde auf dem Pariser Montmartre-Hügel ab - die Geburtsstunde des Jesuitenordens. Ziel: geistliche Erneuerung durch Christus-Beziehung; Gehorsam gegenüber dem Papst.

 

1540 Anerkennung des Ordens durch Papst Paul III. (27. September); rasche Ausbreitung. Die 1552 weitgehend ausgearbeiteten Ordensstatuten (Constitutiones) bleiben bis 1762 geheim.

1541 Francisco de Xavier (Franz Xaver, 1506-1552), Mitbegründer des Ordens, reist von Lissabon zur Mission nach Indien (1542), auf die Molukken und nach Japan (1549).

1548 Die „Geistlichen Übungen“ (Exerzitien) des Ignatius werden erstmals gedruckt.

1549 Beginn der Mission in Lateinamerika: Brasilien (1549), Peru (1568), Mexiko (1572), Paraguay (1586), Chile (1591).

1551 Aus der ersten Jesuitenschule in Rom, dem Collegio Romano, geht die Gregoriana hervor. Sie ist bis heute die wichtigste Päpstliche Universität weltweit.

1556 Tod des Ignatius. Der Orden zählt bereits rund 1.000 Mitglieder - obwohl er vom Papst 1540 auf 60 Mitglieder begrenzt worden war.

1558 Baubeginn der römischen Jesuiten-Hauptkirche „Il Gesu“.

1563 Ende des Konzils von Trient.

1564-1615 Jesuiten gestalten über das Schulwesen die Gegenreformation in Polen.

1578 Bau der ersten vatikanischen Sternwarte im Zuge der Gregorianischen Kalenderreform. Über Jahrhunderte an verschiedenen Standorten fortgeführt, wird die Sternwarte bis heute von Jesuiten geleitet.

1601 Beginn der China-Mission unter Matteo Ricci.

1609 Gründung der „Englischen Fräulein“ durch Mary Ward (daher auch „Mary-Ward-Schwestern). Sie folgen der Regel des Ignatius (offiziell seit 2004) und verstehen sich seither als weiblicher Zweig des Ordens.

1610 Einrichtung der selbstverwalteten Jesuiten-Reduktionen in Paraguay zum Schutz der Indios vor Sklavenhändlern.

1611 Erste Niederlassung in Kanada.

1612/14 Veröffentlichung der „Monita Secreta“, angeblicher geheimer interner Ermahnungen, die Interessen des Ordens über alles andere zu stellen. Das mutmaßlich lancierte Dokument bildet eine argumentative Grundlage für die Jesuitenfeindschaft der kommenden zwei Jahrhunderte.

1622 Heiligsprechung des Ignatius von Loyola.

1602-1680 Der Astronom und Universalgelehrte Athanasius Kircher SJ gehört zu den gebildetsten Forschern seines Jahrhunderts.

18. Jahrhundert: Jesuiten prägen das Leben am chinesischen Kaiserhof.

1759 In Portugal wird das Vermögen des Ordens beschlagnahmt und alle Jesuiten des Landes verwiesen. Der Vorwurf lautet, sie hätten die Indios gegen den portugiesischen König aufgestachelt und ein Mordkomplott gegen ihn geschmiedet.

1764 Vermögenseinzug und Ausweisung der Jesuiten aus Frankreich.

1767 Vermögenseinzug und Ausweisung der Jesuiten aus Spanien und seinen Kolonien. Unterdrückung der Jesuiten-Reduktionen in Paraguay durch die spanische Krone.

1773 Papst Clemens XIV. verbietet den Jesuitenorden auf Druck der Könige von Frankreich, Spanien und Portugal.

1814 Wiederzulassung durch Papst Pius VII.

1848/74-1973 Tätigkeitsverbot bzw. Verbot in der Schweiz.

1872 Verbot des Ordens in Deutschland im Zuge des Preußischen Kulturkampfes (bis 1917).

um 1900-1910 Verflechtungen in den Modernismusstreit; ultramontane Positionierung.

1930er Jahre Die deutschen Jesuiten Gustav Gundlach und Oswald von Nell-Breuning gestalten von Rom aus die katholische Soziallehre und Wirtschaftsethik mit (z. B. Enzyklika Quadragesimo Anno).

Bedeutende wissenschaftliche Beiträge in den Naturwissenschaften (Pierre Teilhard de Chardin) und Sozialwissenschaften (Heinrich Pesch, Gundlach, Nell-Breuning).

1962-1965 Jesuiten wie Kardinal Augustin Bea, Henri de Lubac und Karl Rahner prägen als Theologen das Zweite Vatikanische Konzil mit, Mario van Galli als Berichterstatter.

1965 Die Jesuiten erhalten von Papst Paul VI. den ausdrücklichen Auftrag zur Bekämpfung des Atheismus. Unter dem Ordensoberen Pedro Arrupe (1965-1981) Ringen um die innere Ausrichtung des Ordens; verstärktes Engagement für die Armen und für soziale Gerechtigkeit.

1980 Gründung des internationalen Flüchtlingsdienstes der Jesuiten (JRS).

1989 Militärs ermorden acht Angehörige der zentralamerikanischen Ordensuniversität UCA in San Salvador.

2013 Mit dem Argentinier Franziskus (Jorge Mario Bergoglio) wird erstmals ein Jesuit Papst.

 

(KNA)